Baubranche
Beton wird zum Hochleistungsbaustoff

Billig, banal, bröselig - das Image von Beton ist mies. Doch mit neuen Materialien können Architekten nicht nur sicherer, sondern auch filigraner konstruieren. Spezialbeton kann heftigen Explosionen standhalten, zu Fassadenteilen verarbeitet werden oder gar als Wärmespeicher dienen.
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BERLIN. Beton hat einen schlechten Ruf: Billig, banal und am Ende bröselig, lauten die Vorurteile. Doch das Material mausert sich zum Hochleistungsbaustoff, der die Kreativität von Architekten ankurbelt und Gebäude sicher macht. So soll etwa ein neuer mikrobewehrter Hochleistungsbeton das EZB-Hochhaus in Frankfurt vor Anschlägen schützen. Die 20 Hauptstützen des Gebäudes aus Stahlbeton wurden mit einem neuen Baustoff ummantelt, der sich durch eine hohe Druckfestigkeit auszeichnet. Der Ducon genannte Beton soll selbst heftigen unmittelbaren Explosionen standhalten.

Ducon wird von der gleichnamigen Firma vertrieben und von Geschäftsführer Stephan Hauser entwickelt. Feine, miteinander verknüpfte Stahlmatten im Inneren und selbstverdichtender Zement machen das Material verformbar und ermöglichen überdies dünne Bauteile. Hauser: "Im Explosionsschutz kann Ducon bei gleichen Anforderungen weniger als halb so dick sein wie herkömmlicher Stahlbeton." Zudem sei er splitterfrei.

Für eher profane Aufgaben wie die schnelle Sanierung von gerissenen Industrieböden durch Fertigplatten eignet sich Ducon ebenso wie für anspruchsvolle Architektur, wie etwa eine 4,3 Meter lange freitragende Treppe, deren Stufen nur acht Zentimeter dick sind, wie unlängst in einem Privathaus realisiert. Auch filigrane Fassadenteile, die tragend sind, verblüffen, etwa am Fraunhofer-Innovationszentrum "inHaus2" in Duisburg. Experten sprechen hier von Spagettibeton, weil die Stahlbetonteile im Eingangsbereich nur noch zwischen sieben und zehn Zentimeter dick sind.

Ein weiterer neuer Konkurrent für Zement, Ziegel & Co ist Siotec. Nach fünfjähriger Erprobung bringt in diesem Jahr das Startup Siotec den gleichnamigen Werkstoff auf den Markt, der aus 30 Prozent recyceltem Kunststoff und 70 Prozent Sand besteht. Bei 320 Grad Celsius werden beide Materialien miteinander zu einer trägen Masse verschmolzen.

"Der neue Werkstoff lässt sich fast unbegrenzt formen, ist witterungsbeständig, säureresistent, isolierend, abriebsfest, schlagfest und bruchsicherer als konventioneller Beton", erklärt Co-Geschäftsführer Sven Guhde. Mit dem Material wird nicht nur Kunststoffrecyclat elegant weiterverarbeitet, es ist selbst auch mehrfach wiederverwertbar. "Außerdem kann es gebohrt, gesägt, verschweißt, geklebt und gedreht werden", ergänzt Guhde.

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