„Bauhaus Luftfahrt“
Das Erbe des Daniel Düsentrieb

Optimale Aerodynamik, niedrige Emissionen dank Biokraftstoffen – den so genannten Hy-Linern gehört die Zukunft. Die Kreuzung aus Flugzeug und Helicopter ist nur eine von zahlreichen Ideen der Wissenschaftler von „Bauhaus Luftfahrt“. In Deutschlands erstem Think-Tank der Luftfahrtbranche entstehen die Lösungen für den Luftverkehr von morgen.

MÜNCHEN. Sanft entfalten die Triebwerke ihre Kraft. Ein kurzer Anlauf genügt und der Hy-Liner ist in der Luft. In engen Schleifen schraubt sich die Maschine in die Höhe, fast wie ein Hubschrauber entschwebt sie dem Flughafen. Jetzt, auf Reiseflughöhe, gleitet der Jet ungewohnt ruhig. Aktive Schwingungsdämpfer optimieren die Aerodynamik, Biokraftstoffe reduzieren die Emissionen. Mit leuchtenden Augen verflogt Klaus Broichhausen den Flug des Hy-Liners im Simulator. „Solchen Flugzeugen gehört die Zukunft“, sagt der Professor.

Willkommen im „Bauhaus Luftfahrt“, Deutschlands erstem Think-Tank der Luftfahrtbranche. Drei Dutzend Wissenschaftler erforschen hier auf dem Campus der Technischen Universität in Garching bei München die Zukunft des Fliegens. Wächst der Luftverkehr weiter doppelt so schnell wie die Weltwirtschaft, dann müssen Airlines, Airports und vor allem Flugzeughersteller neue Wege gehen. „Mit den bisherigen Systemen werden wir bald nicht mehr weiterkommen“, sagt der Bauhaus-Chef.

Und so sprudelt das Bauhaus vor Ideen. Hybride Kreuzungen aus Flugzeug und Helikopter entstehen auf den Reißbrettern, sie könnten einst Fracht vom Schiff auf die Schiene verladen. Luftkissenschiffe schweben fast emissionsfrei über die Alpen. Rochenförmige Kurzstreckenflugzeuge mit einem völlig neuem Raumgefühl erobern die Flughäfen. „Wir wollen über den Tellerrand schauen“, sagt Broichhausen inmitten seiner Modelle. Ein bisschen erinnert die Atmosphäre an das Bastellabor Daniel Düsenstriebs, dem genialen Erfinder aus Donald Ducks Entenhausen.

Doch das vor zwei Jahren gegründete Bauhaus will nicht abheben, sondern das Machbare vom Utopischen trennen. Prominente Förderer sind an den Ergebnissen interessiert. Die Airbus-Mutter EADS gehört ebenso zu den Geldgebern wie der Triebwerkshersteller MTU, der Zulieferer Liebherr und der Freistaat Bayern. Mit zwei Millionen Euro Jahresetat wirtschaftet der Think-Tank bescheiden. Das Projekt zieht seine Kraft aus der Vernetzung. Wie das Ur-Bauhaus, die Dessauer Kreativschmiede des vergangenen Jahrhunderts, arbeitet das Bauhaus Luftfahrt interdisziplinär. Volkswirte, Soziologen und Ingenieure sorgen dafür, das niemand so schnell die Bodenhaftung verliert.

„Wir prüfen, ob die Konzepte einen Markt haben“, sagt Bauhaus-Mitglied Christian Kelders, der zuvor als Volkswirt am Münchner Ifo Institut gearbeitet hat. Dem stürmischen Wachstum der Luftfahrt stehen sehr begrenzte Ressourcen gegenüber. Grenzenlose Freiheit wird es künftig weder am Boden noch über den Wolken geben. Der Sprit wird teuer, die Emissionsanforderungen schärfer und Landerechte sind schon heute knapp.

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