Befürchtungen über bevorstehende Klimakatastrophe
Wie krank ist unser Planet?

"Patient Erde" titelte im vergangenen Jahr eine große Boulevardzeitung und konfrontierte ihre Leser mit Bildern von geborstenen japanischen Häusern und deutschen Flutopfern auf Hausdächern. Der begleitende Text legte nahe, dies sei erst der Anfang. Aber wovon eigentlich? Steht die Erde tatsächlich wenige Jahre vor ihrem Untergang? Die wissenschaftlichen Modelle hinter Begriffen wie Treibhauseffekt oder Klimawandel sind vielschichtig und oft nicht unumstritten.

Wie spürbar ist der Treibhauseffekt?

Natürliche Treibhausgase in unserer Atmosphäre absorbieren von der Erde abgestrahlte Wärme und heizen die Erdoberfläche auf. Ohne diesen natürlichen Effekt würde die Erde viel mehr Wärme in den Weltraum verlieren. "Die Durchschnittstemperatur auf unserem Planeten läge dann um über 30 Grad niedriger", sagt der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung der Zeitung News. Der natürliche Treibhauseffekt macht unseren Planeten also erst bewohnbar. Problematisch sind jedoch die vom Menschen freigesetzten Treibhausgase, etwa Kohlendioxid (CO2) aus Abgasen. In den vergangenen 100 Jahren hat der Mensch den Treibhauseffekt um zwei Prozent erhöht, den Anteil an atmosphärischem CO2 sogar um 30 Prozent. "Das entspricht dem Unterschied zwischen einer Eiszeit und einer Warmzeit", sagt Rahmstorf. Wir erwärmen die Erde also spürbar.

Was passiert, wenn das Eis an den Polen schmilzt?

Am deutlichsten wird diese Erwärmung an den Polen. Schmelzen deren Eismassen, verlieren nicht nur viele Tiere ihren Lebensraum. Das Schmelzwasser der Eispanzer ließe zugleich den Meeresspiegel um mehrere Meter ansteigen. Da sich wärmeres Wasser ausdehnt, würde dieser Effekt noch verstärkt. Für die Küstengebiete der Kontinente bedeutete das: Land unter. Bis vor kurzem vermuteten Klimaforscher, dass verstärkter Schneefall am Südpol diesen Effekt ausgleichen könnte - was im Norden schmilzt, würde im Süden wieder als Eis gebunden. Neueste Untersuchungen sprechen allerdings gegen diesen Effekt: Zwar fällt, wenn es wärmer wird, aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit tatsächlich mehr Schnee. Dafür schmilzt das Eis an den Rändern der polaren Eisdecke schneller als bislang vermutet.

Wächst das Ozonloch immer noch?

Die Ozonschicht der Atmosphäre, die uns vor den gefährlichen UV-Strahlen der Sonne schützt, war in der Vergangenheit vor allem durch Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW) aus Kühlschränken und Spraydosen angegriffen worden. Sichtbarer Ausdruck: Die über beiden Polen gähnenden Ozonlöcher. Inzwischen sind FCKW weltweit geächtet, und die Anzeichen mehren sich, dass die Ozonlöcher sich in absehbarer Zeit schließen werden.

Schadet der Verlust der Regenwälder dem Klima?

Wälder nehmen das Treibhausgas CO2 auf und binden es dauerhaft. Der Verlust großer Waldflächen würde die entsprechenden "Vorratslager" zerstören. Zur Zeit beobachten Wissenschaftler allerdings eher den gegenteiligen Effekt. Durch die globale Erwärmung kommt es in manchen Regionen zum so genannten "Greening". Wälder wachsen schneller, die Bäume entwickeln mehr Laub. So sind sie in der Lage, mehr Kohlendioxid aufzunehmen. "Das Abholzen der Regenwälder", so Rahmstorf, "sollte uns eher wegen des Verlusts ihres großen Artenreichtums beunruhigen."

Gibt es heute mehr Naturkatastrophen?

Wirbelstürme und Überschwemmungen hat es seit jeher gegeben. Ob es heute häufiger zu solchen Katastrophen kommt, ist unter Forschern umstritten. Die vier Wirbelstürme, die Florida im vergangenen Jahr trafen, sind jedenfalls Rekord. Auch dass Brasilien im vergangenen Sommer von einem Hurrikan getroffen wurde, ist einmalig - entspricht aber einem Modell zur globalen Erwärmung, das britische Forscher entwickelten. "Wissenschaftlich sichere Aussagen lassen sich aber noch nicht machen", erläutert Rahmstorf. "Erst in ein bis zwei Jahrzehnten werden wir genug Daten haben, um mögliche Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Naturkatastrophen sehen zu können."

Wie steht derzeit um den "Patienten Erde"?

Nach überwiegender Forschermeinung ernst, aber nicht hoffnungslos: Der von Menschen verursachte Klimawandel ist spürbar, aber noch nicht unumkehrbar.

Quelle: news Frankfurt

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