Begehrte Stammzellen
Chirurgen zapfen das Fettgewebe an

Viele Menschen möchten ihr Körperfett loswerden, platische Chirugen hingegen haben eine sehr hilfreiche Anwendungsmöglichkeit für daraus gewonne Stammzellen gefunden: Die Wiederherstellung von Fettgewebe würde Brandopfern und Tumorpatienten Lebensqualität zurückgeben.

BERLIN. Die Form des menschlichen Körpers wird vor allem durch die Verteilung von Fettgewebe bestimmt. Das nutzt die plastische Chirurgie, wenn sie mittels Entfernung von Fett den Körper modelliert. Schwieriger gestaltet sich der Aufbau von zusätzlichem Fettgewebe. Daraus gewonnene spezielle Stammzellen könnten das künftig erleichtern. Neben der ästhetischen Chirurgie würde davon auch die Behandlung von Brandopfern und Tumorpatienten profitieren.

Erste Erfolge mit der neuen Methode verzeichnen japanische Chirurgen bei der Brustvergrößerung. Anstelle von Silikonimplantaten verwenden Ärzte der Cellport Clinic Yokohama ein Gemisch aus Fett-Stammzellen und Eigenfett der Patientinnen. In über 40 Fällen wollen sie die Methode erfolgreich angewendet haben. Dazu entnehmen die Mediziner Fettgewebe und isolieren Präadipozyten – das sind teilungsfähige Vorläufer der Fettzellen. Anschließend spritzen sie ein Gemisch aus diesen Zellen und Eigenfett in die Brust, wo die Präadipozyten neues Gewebe bilden und so die Brust wachsen lassen.

Gewöhnlich kommen bei Brustvergrößerungen Silikon-Implantate zum Einsatz. Das Gewebe um die Kissen herum kann jedoch verhärten. In den USA und Japan greifen Chirurgen deshalb zunehmend auf das Eigenfett zurück, das sie in die Brust verpflanzen. Dieses kann jedoch aufgrund mangelnder Durchblutung abgebaut werden oder verkalken, was sogar schon zu irrtümlichen Brustkrebsdiagnosen geführt hat.

Entwickelt wurde das Verfahren von der in Yokohama ansässigen Biotech-Firma Biomaster. Um es kommerziell anzubieten, gründeten die Forscher die Cellport Clinic. Neben Brust-OPs bieten sie nach dem selben Prinzip Faltenglättungen und Po-Straffungen. Auch ein Wiener Spezialist für ästhetische Chirurgie hat die Methode im Angebot. Ob Brustvergrößerung, Body-Forming oder Faltenglättung – die Stammzell-Implantation liefere zu hundert Prozent natürliche Ergebnisse mit unbegrenzter Haltbarkeit, heißt es auf der Internetseite der Klinik.

Experten sind sich einig, dass die Verwendung von Fett-Stammzellen zur Körpermodellierung Zukunft hat. „Es steckt ein großes wirtschaftliches Potenzial dahinter“, sagt Björn Stark, Plastischer Chirurg an der Universität Freiburg. Der Mediziner bezweifelt jedoch die Seriosität der Angebote. Es sei fraglich, ob dem Verfahren eine gezielte Anreicherung von Fett-Stammzellen vorausgehe. Auch Raymund Horch, Leiter der Abteilung für Plastische und Handchirurgie an der Universität Erlangen, hält nicht viel von den „sensationsheischenden Versprechungen“. Es gebe zwar erste Erfolge bei der Implantation teilungsfähiger Fett-Stammzellen. Doch die Methode sei selbst im Tierversuch schwer steuerbar. Vor einer klinischen Anwendung müsse gezeigt werden, dass das Verfahren den Patientinnen nicht schaden könne.

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