Bewirtschaftung von Wäldern
Schwer berechenbarer Klimafaktor

Bäume gelten als Allheilmittel im Kampf gegen die Klimakatastrophe. Doch auf die Frage nach der effektiven Bewirtschaftung und Bewahrung der Wälder gibt es keine einfachen Antworten.

DÜSSELDORF. "Pflanzt Bäume!" fordert Al Gore in seinem filmischen Klimaschutz-Feldzug "Eine unbequeme Wahrheit". Dem Wunsch kommt sogar sein politischer Gegner George W. Bush gerne nach. Beim Baumpflanzen springt für Politiker meist auch ein schönes Bild heraus. Botschaft: Wir packen es an. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Wie sinnvoll das Aufforsten der Wälder als Klimaschutzmaßnahme ist, wird seit Jahren diskutiert, aber die im Kyoto-Protokoll von 1997 geforderte Leistungsbilanz der Wälder einzelner Länder ist bisher kaum sinnvoll zu erstellen. Denn kein Wald ist wie der andere, die Zahl der Bäume pro Fläche ist sehr unterschiedlich, und Baumarten wachsen nicht gleich schnell. "Die Datengrundlagen für Wälder sind sehr unsicher, auch in Deutschland", sagt Hermann Lotze-Campen vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Noch komplizierter wird es, wenn zutrifft, was sein Kollege Martin Claussen 2000 errechnete: Die Wälder der hohen, nördlichen Breiten etwa in der sibirischen Taiga nehmen durch ihre dunkle Farbe mehr Wärme auf als die flache Tundravegetation und tragen daher - obwohl sie natürlich auch Kohlendioxid (CO2) binden - wahrscheinlich in der Bilanz eher zur Erwärmung der Atmosphäre bei, als dass sie sie bremsen. Entsprechend schwierig ist die Entwicklung eines globalen Modells, das zeigen soll, wie die Wälder am effektivsten zum Klimaschutz beitragen können und wie groß der Holzanteil an der Energieversorgung sein könnte und sollte. "Wir wissen oft gar nicht genau, wie viel Holz in einem Wald steht und wie viel man bei effizienter Bewirtschaftung rausholen kann", sagt Lotze-Campen.

In der Schweiz weiß man angeblich genauer Bescheid. Forscher von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) und anderen Instituten haben ein Modell entwickelt, das die Auswirkungen verschiedener Wald- und Holznutzungsszenarien auf die CO2-Bilanz der Schweiz simuliert. Ergebnis: Das Aufforsten von neuen, so genannten "Kyoto-Wäldern" zu riesigen, aber störanfälligen Biomasse-Lagern ist nicht die wirksamste Maßnahme.

Seite 1:

Schwer berechenbarer Klimafaktor

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%