Bienensterben
Zu viel Stress im Stock

Die Zuneigung zu Insekten hält sich bei den meisten Menschen eher in Grenzen. Doch wenn die fleißigen Artgenossen der „Biene Maja“ wie in diesem Frühjahr in den USA massenhaft sterben, sind nicht nur Imker alarmiert.

DÜSSELDORF. Nach einigen Schätzungen ist mehr als die Hälfte der Völker in den USA zusammengebrochen. „Colony Collapse Disorder“ nennt man die rätselhafte Störung dort: Die erwachsenen Bienen sind verschwunden, ausgeflogen und nicht zurückgekehrt. Die Larven in den Waben bleiben unversorgt, da viel zu wenige und nur ganz junge Bienen im Stock übrig sind. Das Volk geht ein.

Mitteleuropa erlebte ein ähnliches Massensterben im Frühjahr 2003. Diesen Winter überstanden Deutschlands Bienen jedoch gut. Die im aktuellen „Spiegel“ behaupteten Verluste von 25 Prozent sind inzwischen deutlich korrigiert. „Nach neuen Meldungen gehen wir von Verlusten zwischen 5 und 15 Prozent aus“, sagt Manfred Hederer vom Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund. Das ist ganz im Rahmen der Normalität.

Doch das Problem ist damit nicht gelöst. Warum bleiben in manchen Jahren in weiten Gebieten die ausgeflogenen Bienen auf der Strecke? Aufgeregte Teilnehmer von Diskussionsforen im Internet glauben in gentechnisch veränderten Nutzpflanzen die Ursache gefunden zu haben. Das scheint auch zu erklären, warum das Sterben ausgerechnet in Nordamerika derzeit besonders dramatisch ist: Weil diese Pflanzen dort in viel größerem Ausmaß angebaut werden als in Europa.

Häufig genannt wird Bt-Mais, in dessen Erbgut ein Gen des Bakteriums Bacillus thuringiensis eingeschleust ist. Dieses weltweit verbreitete Bodenbakterium produziert ein Gift (Bt-Toxin), das die Larven des Maiszünslers (Ostrinia nubilalis) und des westlichen Maiswurzelbohrers (Diabrotica virgifera) tötet, indem es deren Darm durchlöchert. Die Vermutung liegt nahe, dass das Gift nicht nur das schädliche Insekt zur Strecke bringt, sondern möglicherweise auch das nützliche.

Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim, hält von dieser ideologisch motivierten Erklärung nichts. „Die Symptome passen nicht. Alle Versuche – auch mit Überdosierungen – sprechen dagegen, dass Bt-Mais eine toxische Wirkung auf Bienen hat.“ Allerdings konnte in einer Studie vor drei Jahren bei schon durch Parasiten geschwächten Bienen eine erhöhte Sterblichkeit festgestellt werden, wenn sie mit Maispollen gefüttert wurden, die eine zehnfach verstärkte Giftkonzentration aufwiesen. Das hält Rosenkranz für nicht überzeugend. Grundsätzlich sei es aber durchaus möglich, dass genveränderte Pflanzen nicht nur übeltätige Raupen, sondern auch wohltätige Bienen vergifteten.

Massensterben von Bienen kamen schon häufig vor, ab 1904 breitete sich von der Isle of Wight ein Parasit aus, der die Bienen in weiten Teilen Europas ausrottete. In Deutschland war das Massensterben von 2003 mit Verlusten von 30 Prozent Anlass, ein Beobachtungssystem einzuführen, damit man bei künftigen Bienenkatastrophen weniger ratlos dastehe als damals. Bienen-Forschungsinstitute betreuen 125 über Deutschland verteilte Imker. Eine Untersuchung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kam zum Ergebnis, dass kein einzelner Schadstoff, wie etwa das zu Unrecht verdächtigte Pflanzenschutzmittel Imidacloprid, die Bienen dahinraffte, sondern möglicherweise der „Gesamtkomplex der Stressoren“.

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