Bildung
Wissenschaft und SPD warnen vor Scheitern des Hochschulpakts

Namhafte deutsche Wissenschaftsorganisationen haben gemeinsam mit SPD-Bildungspolitikern vor einem Scheitern des Bund-Länder-Hochschulpakts gewarnt.

dpa BERLIN. Namhafte deutsche Wissenschaftsorganisationen haben gemeinsam mit SPD-Bildungspolitikern vor einem Scheitern des Bund-Länder-Hochschulpakts gewarnt.

Das mit der Föderalismusreform bei der Bildung vorgesehene „Kooperationsverbot“ von Bund und Ländern mache die gewünschte Schaffung zusätzlicher Studienplätze für die geburtenstarken Jahrgänge wie künftig auch alle anderen bundesweiten Bildungsprogramme unmöglich, hieß es am Dienstag übereinstimmend bei einer Expertenanhörung der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin.

„Deutschland braucht mehr Studienplätze, mehr Hochqualifizierte, mehr Begabten- und Graduiertenförderung und mehr Ganztagsschulen“, sagte die Bildungsausschuss-Vorsitzende Ulla Burchardt (SPD). Dies lasse sich aber nicht mehr bundesweit fördern, wenn der Bund nach der Föderalismusreform künftig nur noch in die Forschung investieren dürfe. Die vorgesehenen Grundgesetzänderungen provozierten bei der Förderung eine „unehrliche Umgehungsbürokratie“, die schnell den Rechnungshof auf den Plan rufen werde, sagte die SPD-Politikerin.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte dagegen in der Haushaltsdebatte des Bundestages, man werde beim Hochschulpakt „Ideen entwickeln“, wie man durch Förderung der Forschung auch etwas für die Lehre an den Hochschulen tun könne. Wie Burchardt warnte Schavan davor, den in den nächsten Jahren erwarteten Bewerberandrang an den Hochschulen als Belastung zu sehen. Mehr junge Menschen im Studium seien vielmehr eine Chance für die Gesellschaft.

Der SPD-Abgeordnete Thomas Oppermann sagte, die Finanzkraft der Länder habe auch in der Vergangenheit nie allein ausgereicht, größere Innovationen bei der Bildung anzustoßen. Dies sei bei früheren Bund- Länder-Hochschulprogrammen ebenso zu beobachten gewesen wie bei der Vier-Mrd.-Euro-Hilfe des Bundes für den Ausbau der Ganztagsschulen.

Bei der Anhörung forderten Wissenschaftsorganisationen, Bundeselternrat und Lehrerverbände einhellig Änderungen am Konzept der Föderalismusreform. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, warnte vor einem „Rückfall in die Kleinstaaterei“. Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Ludwig Eckinger sagte, der von einigen Bundesländern propagierte Wettbewerbsföderalismus werde zu weiteren Fehlentwicklungen in den deutschen Schulen führen. Junge Menschen in Deutschland müssten aber unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und unabhängig auch von ihrem jeweiligen Heimat-Bundesland bei der Bildung optimal gefördert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%