Biofilme
Bakterien als Mannschaftsspieler

Biofilme aus Mikroorganismen stellen Industrie und Medizin vor besondere Probleme. Sie verursachen Schäden in Milliardenhöhe und kosten im schlimmsten Fall sogar Menschenleben. Trotz intensiver Suche nach Gegenmitteln steht ein altes Hausrezept immer noch ganz oben in der Liste der Abwehrwaffen.

DÜSSELDORF. Wenn Bakterien sesshaft werden, bekommen Menschen ein Problem. Die mikroskopisch kleinen Organismen schweben nicht nur als Krankheitserreger unabhängig voneinander in der Luft oder im Wasser. Ihre erfolgreichste Daseinsform ist eine, die die meisten Menschen nicht mal kennen, obwohl sie sie ständig bei sich tragen: als Biofilm. Der pelzige Belag, den man spürt, wenn man mit der Zunge über die ungeputzten Zahnreihen fährt, das ist ein Biofilm, die Plaque. Wer jemals ein verstopftes Spülrohr gereinigt hat, kennt den glibberigen Schleim ebenfalls. „Biofilme sind das Gesellschaftsleben der Mikroorganismen“, sagt Hans-Curt Flemming, Leiter des Biofilm-Zentrums an der Universität Duisburg-Essen.

Es gibt kaum eine Oberfläche, auf der sich nicht irgendwann ein Biofilm bildet, mit meist fatalen Folgen: „Biofilme verursachen Schäden in Milliardenhöhe“, sagt Flemming. Treten sie im medizinischen Bereich auf, kosten sie sogar Menschenleben. Zähne und Abflussrohre sind nur zwei von vielen Orten, an denen sich Bakterien gemütlich in einem mehr oder weniger zähen Schleim aus eigenen Ausscheidungsprodukten wie Zuckermolekülen, Eiweißen und anderen Substanzen einrichten.

Bakterien werden überall da zum Mannschaftsspieler, wo es feucht genug ist und es ein Minimalangebot an Nahrung gibt. Es gibt sie natürlicherweise in Flüssen und Teichen, sie bilden auf Pfützen eine dünne Haut und helfen, abgestorbene Pflanzen zu verwesen. Seit es aber Menschen gibt, hat sich die Welt für Biofilm-Bakterien in ein Schlaraffenland verwandelt. Denn Menschen erschaffen unzählige Orte, an denen es feucht, warm und nährstoffreich ist: Wärmetauscher in Kraftwerken, Wasserleitungen im Haushalt und in Industrieanlagen, Duschschläuche, medizinische Katheder, Implantate, Öltanks, selbst auf Raumstationen gedeihen sie prächtig.

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