Biologie
Blutsauger mit Lippensensor

Vampirfledermäuse suchen sich die Schwachstellen ihrer Opfer mit einem ganz speziellen Sensor. Die Lippe verrät ihnen, wo sie am besten zubeißen sollten.
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HeidelbergVampirfledermäuse orten die pulsierenden Adern ihrer warmblütigen Beute mit einem Infrarotrezeptor in der Oberlippe. Die Flattertiere, so berichten US-Forscher, haben damit ein unter Wirbeltieren fast konkurrenzloses Sensorium – nur einige Schlangen können ebenso gut heiß und kalt unterscheiden.

David Julius von der University of California in San Francisco und Kollegen aus den USA und Venezuela hatten in der Vergangenheit schon untersucht, wie die leistungsstarken Wärmerezeptoren von Python, Boa und Grubenottern funktionieren. Dabei hatte sich gezeigt, dass die Schlangen einen Ionenkanal umwidmen, der im Allgemeinen nicht als Wärmesensor fungiert.

Bei Fledermäusen ist dies anders: Sie bauen auf einen Temperatursensor, der verschiedene Säugetiere normalerweise vor zerstörerischer Hitze von über 43 Grad Celsius warnt. Diesen Sensor justierten die Fledermäuse aber neu, so dass er schon ab einer Temperatur von 30 Grad Celsius minimale Temperaturschwankungen registriert.

Die Vampirfledermäuse können mit diesem Sensor Wärmequellen aus rund 20 Zentimetern Entfernung orten – sie dienen also wohl vor allem dazu, auf der Beute besonders angreifbare Stellen zu finden, die zum Beispiel kaum von Federn oder Fell bedeckt sind. Aus weiterer Entfernung scheinen die Fledermäuse sich dagegen eher an akustischen Signalen zu orientieren. So hören sie etwa auf die Atemgeräusche schlafender Tiere.

Die Forscher möchten ihrer Analyse unter anderem dazu nutzen, mehr über die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Säugetiere zu erfahren. So deutet die genetische Analyse der Fledermaus-Sensoren etwa auf eine nähere Verwandtschaft der Tiere mit Pferden, Hunden, Kühen oder Delphinen als mit Menschen und Ratten.

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