Biologie: Flüchtender Käfer wird zum Radschläger

Biologie
Flüchtender Käfer wird zum Radschläger

Nicht nur der Mensch hat das Rad für sich erfunden - auch andere Tiere erleichtern damit ihre Fortbewegung. Ein kleiner Käfer setzt dabei zusätzlich noch auf Windkraftantrieb.
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HeidelbergWenn Gefahr droht, setzt der Nachwuchs des Dünensandlaufkäfers Cicindela dorsalis media auf eine besondere Fluchttechnik: Er katapultiert sich in die Luft, krümmt sich dabei zum Rad und lässt sich dann vom Wind angetrieben über den Sand rollen. Damit sind die Käferlarven zwar nicht allein im Tierreich - auch andere machen sich die Form des Rades zunutze -, sie sind aber die Einzigen, die dabei auf Windkraft setzen.

Durch Zufall haben Alan Harvey und Sarah Zukoff von der Georgia Southern University in Statesboro dieses Verhalten entdeckt: Während einer Strandexkursion löste Harvey versehentlich eine kleine Sandlawine in einer Düne aus und schreckte dabei einige Käferlarven auf, die anschließend rollend das Weite suchten.

Fasziniert davon stellten die beiden Biologen den Kerfen anschließend per Hochgeschwindigkeitskamera nach und enthüllten in der Einzelbildauswertung, wie die jungen Sandlaufkäfer sich fortbewegen. Demnach schnellen die Larven zuerst nach oben, um sich in die vorherrschende Windrichtung zu orientieren und von der Luftbewegung zusätzliche Antriebsimpulse zu erhalten. Wenn die Larve dann unterwegs ist, streckt sie ihre Beine seitwärts ab - wahrscheinlich um die Balance zu halten.

Wahrscheinlich ermögliche ihr diese Bewegung eine schnelle Flucht vor Fressfeinden wie parasitären Wespen, die ihre Eier im Körper der Tiere ablegen, so Harvey. Belegt ist diese Theorie aber noch nicht.

Die rollende Flucht funktioniert zudem nur auf ungestörten, flachen Sandflächen: Fußabdrücke oder Reifenspuren reichen bereits aus, um die Larven aus dem Gleichgewicht zu bringen.

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