Biologie
Kletterkünstler mit fünf Füßen

Die Kletterkünste der Geckos sind legendär: Beim senkrechten Klettern in die Höhe legen sie in nur einer Sekunde 15 Mal die Länge ihres eigenen Körpers zurück. Forscher haben jetzt den Mechanismus enträtselt, der den Tieren ihre einzigartige Kletterfähigkeit verleiht: Sie entdeckten einen "fünften Fuß".

HB WASHINGTON. Geckos benutzen aktiv ihren Schwanz, um bei ihren akrobatischen Klettertouren Stürze zu vermeiden. Er stabilisiert den Körper und kann sogar wie ein Fahrradständer als Stütze eingesetzt werden, berichten US-Forscher in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften. Im Falle eines Sturzes helfe er dabei, den Körper der Tiere blitzartig zu drehen, so dass sie ähnlich einer Katze immer auf den Füßen landen.

Die Kletterkünste der Geckos sind legendär: Beim senkrechten Klettern in die Höhe legen sie in nur einer Sekunde 15 Mal die Länge ihres eigenen Körpers zurück. Auch Spaziergänge unter der Decke sind für die Tiere eine Kleinigkeit. Für die akrobatischen Höchstleistungen werden vor allem ihre Zehen verantwortlich gemacht: Sie besitzen unzählige winzige Härchen, die über sogenannte Van-der-Waals-Kräfte eine starke Haftung an die Oberfläche vermitteln.

Robert Full und seine Mitarbeiter von der Universität von Kalifornien in Berkeley konzentrierten sich nun auf die Bedeutung des Schwanzes für die Kletterkünste der Tiere. Sie filmten Geckos (Cosymbotus platyurus) mit einer Hochgeschwindigkeitskamera während diese verschieden rutschige Oberflächen hinaufliefen. Die Aufnahmen zeigten, dass die Tiere ihren Schwanz an die Oberfläche pressten, sobald der Boden unter ihren Füßen glitschig wurde. Sie verhinderten so, dass sich Kopf und Oberkörper zu stark nach hinten neigten, was die Stabilität gefährden würde.

Reichte dieses Ausgleichsmanöver nicht mehr aus, um eine sichere Haltung zu ermöglichen ­ etwa wenn die Tiere wiederholt ausrutschten, pressten die Geckos die hinteren zwei Drittel des Schwanzes wie einen Fahrradständer an die Wand. Kein einziges der Versuchstiere stürzte so beim Klettern ab. Geckos, die keinen Schwanz besaßen, gelang es in mehr als 60 Prozent der Versuche hingegen nicht, die glitschige Versuchsfläche ohne Sturz zu überwinden.

In einem weiteren Experiment untersuchten die Wissenschaftler, was passiert, wenn die Tiere mit dem Rücken voran von der Wand stürzen. Sie beobachteten, dass durch eine rasche Rotation des Schwanzes der gesamte Körper herumgedreht wird. Die Geckos segelten dann mit abgespreizten Beinen gen Boden, balancierten dabei immer wieder mit Hilfe des Schwanzes ihre Haltung aus und landeten sicher auf den Füßen.

Diese Ergebnisse könnten auch für die Entwicklung von unbemannten, gleitenden Luftfahrzeugen von Interesse sein, schreiben die Forscher. Ein Roboter, der mit Hilfe eines aktiven Schwanzes klettere, sei bereits nach dem Vorbild der Geckos konstruiert worden.

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