Biologie
Kolibri als Kampfpilot

Ausgerechnet der winzige Kolibri erreicht im Flug Beschleunigungswerte, wie mann sie ansonsten nur von Kampfpiloten kennt. Kein Wunder: Am Ende seines tollkühnen Rekordflugs erwartet ihn im besten Fall ein paarungswilliges Weibchen.
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HEIDELBERG. Der Annakolibri (Calypte anna) ist offensichtlich der schnellste Vogel - und wohl auch das entsprechend zügigste Wirbeltier - der Erde: Teil seiner Balz sind Sturzflüge aus 30 Meter Höhe, während derer er maximale Geschwindigkeiten von 385 Körperlängen pro Sekunde erreicht.

Umgerechnet bedeutet dies 27 Meter pro Sekunde, was auf den ersten Blick weniger erscheint als die 70 Meter pro Sekunde jagender Wanderfalken oder die 50 Meter pro Sekunde von Schwalben, die während des Zugs aus höheren Atmosphärenschichten nach unten schießen. Allerdings muss man dabei die Größe der einzelnen Tiere berücksichtigen, weshalb Falken und Schwalben nur 200 beziehungsweise 350 Körperlängen pro Sekunde zurücklegen.

Wie Christopher Clark von der University of California in Berkeley mit Hilfe von Hochgeschwindigkeitskameras aufzeichnete, nehmen die Kolibris Fahrt auf, indem sie beim Sturzflug zeitweise ihre Flügel anlegen. Am tiefsten Punkt ihres Balzflugs spreizen sie diese und die Schwanzfedern wieder, um in einen ebenso rasanten Aufstieg überzugehen. Dabei übertreffen sie die Erdbeschleunigung um das Neunfache - mehr schaffen nur Piloten in Kampfflugzeugen.

In einer früheren Studie hatte Clark bereits gezeigt, dass die Annakolibrimännchen während ihres Balzflugs ein Zirpen über ihre Schwanzfedern erzeugen, das womöglich ebenfalls der Brautwerbung dient.

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