Biologische Pflanzenschutzmittel ersetzen chemische Schädlingsbekämpfungsmittel
Pilzsporen bekämpfen Pflanzenschädlinge

Ein neues biologisches Pflanzenschutzmittel soll dem Fadenwurm den Garaus machen. Die winzigen Schädlinge verursachen hohe Ertragseinbußen im Gartenbau und in der Landwirtschaft, wenn sie über die Wurzeln von Pflanzen herfallen.

DÜSSELDORF. Das Mittel mit dem Namen „BioAct WG“ besteht aus Traubenzuckerkristallen, an die Pilzsporen gebunden sind. Das Granulat wird in Wasser aufgelöst und vor der Aussaat oder Pflanzung auf die Felder gespritzt. Dort töten die Sporen die Nematoden, bevor die erste Pflanzenwurzel da ist. Die Pilzsporen schützen aber auch den Boden bereits bestehender Pflanzungen – seien es Bananen, Kiwis oder Erdnüsse – vor Fadenwurm-Attacken. Stimmt die Einschätzung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, könnte das neue Pflanzenschutzmittel der Prophyta GmbH aber nicht nur weltweit den Wurm von den Äckern vertreiben, sondern auch chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel im Wert von etwa 950 Millionen Euro pro Jahr ersetzen.

Die Pilze vermehren sich wie Schimmel auf Brot

Das 1992 gegründete Biotech-Unternehmen in Malchow hat mit seinen 17 Mitarbeitern auch eine Technologie zur Kultivierung der Pilze entwickelt. In so genannten Fermentern – rund einen Kubikmeter großen Behältern – gedeihen die Pilzsporen mit dem Namen „Peacilomyces lilacinus“ prächtig – beispielsweise an Brotgetreide. Die Pilzvermehrung funktioniert „wie bei altem Brot, an dem sich Schimmelflecken bilden“, erläutert Peter Lüth, Gründer und Geschäftsführer der Prophyta GmbH. Für seine Entwicklung hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt Lüth im Oktober vergangenen Jahres den Deutschen Umweltpreis verliehen.

Für Schlagzeilen hatte die Prophyta GmbH bereits 1997 gesorgt. Mit „Contans WG“ brachte sie das erste biologische Pflanzenschutzmittel gegen Pilzkrankheiten auf den Markt und entfachte damit international einen Krieg der Pilze: Die Pilz-Mikroorganismen namens „Coniothyrium minitans“ bekämpfen erstmals Pilze schädlicher Natur. Allein im vergangenen Jahr verkaufte Prophyta von „Contans WG“ weltweit über 100 Tonnen und machte damit einen Umsatz von mehr als 1,1 Mill. Euro. Von „BioAct WG“ verspricht sich Lüth einen noch größeren Erfolg.

Chemische Pflanzenschutzmittel stehen unter Beschuss

Als außerordentlich günstig bezeichnet die internationale Unternehmensberatung Frost & Sullivan die Wachstumsaussichten für den europäischen Markt der Biopestizide. Nicht ohne Grund, denn die chemischen Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmittel sind nicht gerade umweltfreundlich. Das Allzweck-Pestizid Methylbromid beispielsweise bereitet nicht nur dem Leben von Fadenwürmern, pilzlichen Krankheitserregern, Unkrautsamen, Insekten und Regenwürmern ein jähes Ende, sondern schädigt darüber hinaus die Ozonschicht. Wegen dieser Nebenwirkung ist Methylbromid inzwischen in fast allen Industrieländern verboten und auch in den USA darf die chemische Keule ab 2005 nicht mehr eingesetzt werden.

Das ist die Chance für Prophyta. Dass biologische Pflanzenschutzmittel nur gegen bestimmte Schädlinge schützen, sei nicht nur für die Umwelt von Vorteil, sondern auch für ihre Anbieter, sagt Pflanzenschutz-Experte Eckhardt Koch von der Biologischen Bundesanstalt in Darmstadt. „Großen Pharmakonzernen sind diese Nischen nicht attraktiv genug.“

EU-Zulassung in Aussicht

Auf den Philippinen ist „BioAct WG“ bereits zugelassen, in der EU und den USA wartet Lüth auf grünes Licht der Aufsichtsbehörden. Die für die EU-weite Erlaubnis verantwortliche Zulassungsstelle in Belgien hat die eingereichten Dossiers bereits akzeptiert und keine weiteren Unterlagen angefordert. Mit diesem „check of completeness“ kann Prophyta jetzt eine schnellere, provisorische Zulassung in einzelnen EU-Ländern beantragen. So hat Lüth besonders Spanien und Italien als Hauptlieferanten für Obst und Gemüse im Visier.

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