Biologischer Abbau Raupe entwickelt Appetit auf Plastik

Eine Hobbyimkerin ärgert sich über kleine Raupen in ihrem Bienenstock. Doch dann fällt ihr auf, dass die Tiere Plastik fressen – und zwar verhältnismäßig fix. Ein tierischer Helfer im Kampf gegen die Plastikmüll-Berge?
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In Spanien wurde der bisher schnellste Plastikfresser entdeckt: Die Larven der Großen Wachsmotte verzehren den biologisch ansonsten kaum abbaubaren Kunststoff Polyethylen (PE). Quelle: dpa
Raupe frisst Plastik

In Spanien wurde der bisher schnellste Plastikfresser entdeckt: Die Larven der Großen Wachsmotte verzehren den biologisch ansonsten kaum abbaubaren Kunststoff Polyethylen (PE).

(Foto: dpa)

MadridEine kleine Raupe kann handelsübliche Plastiktüten relativ zügig zersetzen. Die Larven der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella) fressen den wohl am häufigsten verwendeten, biologisch kaum abbaubaren Kunststoff Polyethylen (PE), wie spanische Forscher im Fachmagazin Current Biology schreiben. Wegen der hohen Zersetzungsgeschwindigkeit habe der Fund „Potenzial für bedeutende biotechnologische Anwendungen“.

Die Entdeckung gelang durch einen Zufall. „Ich beschäftige mich beruflich mit Hühnerembryos, bin aber Hobby-Bienenzüchterin“, so Federica Bertocchini, die an der Studie beteiligt war. Bei der Säuberung eines Bienenstocks habe sie zu Hause im nordspanischen Santander plötzlich „diese Würmchen“ entdeckt. „Die ernähren sich von Pollenresten und sind für uns Imker wie die Pest.“

Plastik vermüllt die Arktis
Plastikmüll in der Arktis
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Das Müllproblem der Menschheit hat längst auch die abgelegensten Regionen der Erde erreicht. Selbst auf dem Grund des arktischen Ozeans sammeln sich Glasscherben, Plastiktüten und weggeworfene Fischernetze, wie Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven in einer aktuellen Studie berichten. (Foto: Melanie Bergmann, OFOS)

Plastikmüll am Meeresboden
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Seit 2002 dokumentieren AWI-Wissenschaftlerinnen den Müll an zwei Messpunkten im sogenannten AWI-Hausgarten. Dabei handelt es sich um ein Tiefsee-Observatorium des Alfred-Wegener-Instituts, das aus 21 Messstationen in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen besteht. (Foto: OFOS/James Taylor)

Plastikmüll auf dem arktischen Meeresboden
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Die Ergebnisse der Langzeitstudie wurden nun veröffentlicht: Seit Beginn der Messung wurden auf insgesamt 7058 Fotos 89 Müllteile entdeckt. Die Ergebnisse aus dem relativ kleinen Gebiet, das von den Kameras beobachtet werden kann, rechnete das AWI-Team dann auf eine größere Fläche hoch. (Foto: Melanie Bergmann, OFOS)

Reste eines Fischernetzes
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Mit dieser Methode kamen die Forscher für den Untersuchungszeitraum von 2002 bis 2014 auf einen Durchschnittswert von 3485 Müllteilen pro Quadratkilometer. (Foto: Melanie Bergmann, OFOS)

Müll auf dem Grund der Framstraße
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Gerade in den letzten Jahren zeigt die Mülldichte allerdings einen deutlichen Aufwärtstrend. 2011 lag die berechnete Verschmutzung bei 4959 Müllteilen pro Quadratkilometer, im Jahr 2014 erreichte sie mit 6333 Müllstücken pro Quadratkilometer den Höchstwert für den Untersuchungszeitraum. (Foto: Melanie Bergmann, OFOS)

Dramatische Situation
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Besonders dramatisch war die Situation an der nördlicheren Messstation. Hier stieg die Verschmutzung in den Jahren von 2004 bis 2014 um mehr als das 20-fache. (Foto: Melanie Bergmann, OFOS)

Glasmüll in der arktischen Tiefsee
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Die Forscher entdeckten vor allen Dingen Plastikmüll und Glas. Letzteres driftet nicht über größere Distanzen, sondern sinkt sofort an Ort und Stelle auf den Meeresgrund. Vermutlich sorgte hier die Zunahme des Schiffsverkehrs in der Region für die wachsende Verschmutzung. (Foto: Melanie Bergmann, OFOS)

Die Italienerin warf die Larven in eine Plastiktüte. Und siehe da: „Nach einer Weile war der Beutel voller Löcher und die Larven draußen!“

Diese Beobachtung setzte die Forschungsarbeit der Wissenschaftlerin und ihrer Kollegen in Gange. Dabei fanden sie heraus, dass rund 100 Wachsmotten-Larven in 12 Stunden etwa 92 Milligramm einer normalen Einkaufstüte fressen können. „Das ist ein sehr schneller Abbau, schneller als alles, was zu diesem Thema bisher wissenschaftlich veröffentlicht wurde“, sagt Bertocchini.

„Wir vermuten, dass für diese schnelle Zersetzung ein Molekül oder Enzym verantwortlich ist, das wir zu isolieren versuchen werden.“ Dieses Enzym könne man dann in großen Umfang produzieren und es nutzen, um Plastikmüll abzubauen, hofft die junge Wissenschaftlerin.

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Deutlich schneller als andere Plastikfresser
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2 Kommentare zu "Biologischer Abbau: Raupe entwickelt Appetit auf Plastik"

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  • Herr Andreas Schindler21.04.2017, 15:36 Uhr
    Herr Hofmann, haben Sie als AfD Propagandist eigentlich keine Freunde, keine Arbeit und keine Hobbys oder warum kommentieren Sie alles den lieben langen Tag? Mögen Sie sich selbst lesen? Hier gibt es keine Likes...😜

    @Schindler
    Ich freue mich jeden Morgen wenn ich wieder kommentieren darf, die Wochenenden sind schon schlimm genug, ohne Kommentarfunktion.
    Ich mache hier gerne Propaganda für die AFD, wäre Propaganda für die Grünsozialistische Merkelregierung besser?Danke


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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