Biometrie
Mit der Fingerspitze

Bezahlen per Fingerabdruck ist nur ein Beispiel dafür, wie die Biometrie den Alltag erobert. Ob Zugangskontrollsysteme, Automaten oder Ausweispapiere, die Identifikation mithilfe körperlicher Merkmale plus Computer findet in immer mehr Bereichen Anwendung. In Deutschland treiben vor allem Mittelständler das Geschäft.
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Wenn die Kinder von Ulrich Kipper nach den Ferien wieder in die Schule gehen, erwartet sie eine kleine Revolution. Das Essen in ihrer Offenburger Schule bezahlen die drei dann einfach per Fingerabdruck. Die Technik dafür heißt Digiproof und wurde in den IT-Werken ihres Vaters im benachbarten Lahr entwickelt. Von der kleinen Stadt im Schwarzwald breitet sie sich nun langsam über die ganze Republik aus.

Bezahlen per Fingerabdruck ist nur ein Beispiel dafür, wie die Biometrie den Alltag erobert. Ob Zugangskontrollsysteme, Automaten oder Ausweispapiere, die Identifikation mithilfe körperlicher Merkmale plus Computer findet in immer mehr Bereichen Anwendung. In Deutschland treiben vor allem Mittelständler das Geschäft.

Kippers IT-Werke sind exemplarisch für diese Entwicklung. In etwa 130 Einzelhandelsgeschäften in Deutschland können die Kunden inzwischen mit seinem Digiproof-System bezahlen, die meisten sind Edeka-Filialen in Baden-Württemberg. Das Prinzip ist ganz einfach: Ganz am Anfang wird der Fingerabdruck des Kunden eingescannt, dazu gibt der Betroffene seine Personalien und Kontonummer an. Dann muss er an der Kasse nur noch den Finger auf ein Lesegerät von der Größe einer Computer-Mouse legen. Der fällige Betrag wird anschließend vom Konto abgebucht.

„Das ist viermal so schnell wie mit Bargeld“, sagt Kipper. Gegenüber einer Geldkarte ist der Zeitvorteil noch größer. Und der Fingerabdruck könne nicht gestohlen werden. Der Diebstahl oder Verlust der bisherigen Chipkarten ist auch ein Grund, weshalb in den Offenburger Schulmensen künftig Digiproof verwendet wird. Dadurch sinkt der Verwaltungsaufwand deutlich.

Die Fingerabdruckerkennung ist mit einem Marktanteil von etwa 40 Prozent die wichtigste biometrische Technologie. Andere Verfahren sind die Gesichts- oder Stimmerkennung. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger erzielte die Branche 2006 hierzulande einen Umsatz von knapp 100 Millionen Euro. Damit ist Deutschland der wichtigste Biometriemarkt in Europa. Bis 2010 prognostiziert Roland Berger eine Verdreifachung des Umsatzes.

„Die Biometrie hat in den letzten Jahren einen ziemlichen Schub bekommen“, sagt Lutz Neugebauer, Leiter des Fachbereichs Sicherheit beim Informationstechnik- und Telekommunikationsverband Bitkom. Knapp 100 Unternehmen beschäftigen sich mit Verfahren zur automatischen Personenidentifikation. Die Branche ist überwiegend mittelständisch, einige Unternehmen können international mithalten.

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