Bionik
Mit dem Robo-Rochen in die Tiefsee

Als Gründer der Berliner Innovationsschmiede Evologics ist Rudolf Bannasch auf Bionik spezialisiert und damit auf die Übertragung von Prinzipien der Natur auf technische Lösungen. Seine besten Ideen hat er bei Tieren abgeguckt. Mit einem Robo-Rochen will der Tüftler nun bei der Erkundung der Tiefsee helfen.
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Ein weniger erfahrener Taucher hätte wohl die Flucht ergriffen. In 20 Metern Tiefe gerät Rudolf Bannasch vor den Malediven in einen Schwarm Mantarochen. Eindrucksvolle sieben Meter Spannweite können die Fische erreichen. Doch im Gegensatz zu verwandten Arten fehlt den Mantas der Giftstachel - die Planktonfresser sind völlig harmlos. Gelassen beobachtet der studierte Biologe Bannasch die Tiere. "Diese Eleganz und Leichtigkeit, einfach phänomenal", begeistert er sich noch heute. Und mitten im Indischen Ozean fasst er den Entschluss, nach dem Vorbild der Mantas einen Unterwasserroboter zu bauen.

Ein Forscher im Tiefenrausch? Mitnichten. Als Gründer der Berliner Innovationsschmiede Evologics ist Bannasch auf Bionik spezialisiert - also die Übertragung von Prinzipien der Natur auf technische Lösungen. Er hat nach dem Studium der Aerodynamik des Vogelflugs schon einen leiseren und spritsparenden Flugzeugpropeller entwickelt. Und der Unterwasser-Segelflug der Mantas sei das perfekte Vorbild für eine wendige und sparsame Tauchmaschine. "Rochen sind von Natur aus auf energieeffiziente Fortbewegung und extrem gute Manövrierbarkeit getrimmt", sagt Bannasch. "Der Inbegriff der Strömungsdynamik."

Ein halbes Jahr nur brauchen Bannasch und Kollegen, um einen Prototypen zu bauen. Das Ergebnis sieht aus wie eine Mischung aus Lenkdrachen und Tarnkappenbomber. Die Haut besteht aus Neopren, das Gummiskelett funktioniert wie eine Fischflosse. Die hat nämlich eine spezielle Eigenschaft. Wenn man auf die Flosse drückt, gibt sie nicht nach, sondern wölbt sich zur Kraft hin. Die inzwischen patentierte und "Fin Ray Effect" getaufte Entdeckung hat Evologics-Mitarbeiter Leif Kniese beim Fischen in Norwegen gemacht. Beim Tauchroboter erweist sich das simple Prinzip als fundamental - es unterstützt die flügelartige Bewegung der Roboterflossen.

Nach geglückter Trockenübung besteht der Manta-Nachbau auch den Praxistest mühelos. Im gemieteten Schwimmbad schwebt der Roboterfisch durchs Wasser, dreht Loopings und legt steile Kurven hin. "Das hat kolossal Spaß gemacht", sagt Bannasch. Nun aber wird es ernst: Der Bionik-Experte schickt sich an, mit dem "Subsea Glider" getauften Kunstrochen den Markt der Autonomen Unterwasservehikel (AUV) zu erobern. Nicht nur die Dauer der Tauchgänge will er verlängern. Dank spezieller Modems sollen Videobilder und Messdaten unmittelbar an die Oberfläche übertragen werden. Auch die Steuerung in Echtzeit wäre möglich - bislang werden die AUVs vor ihrer Mission programmiert.

Mit seinem Tauchroboter peilt Bannasch einen wachstumsträchtigen Markt an. Für autonome Systeme bestehe "ein erhebliches Zukunftspotenzial", sagt Petra Mahnke, Geschäftsführerin der Hamburger Gesellschaft für Meerestechnik. Denn die Offshore-Industrie wage sich immer weiter in die Tiefsee hinab und dringe in immer schwierigere Gebiete vor. Gerrit Meinecke, Meeresgeologe am Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, hält den Evologics-Ansatz prinzipiell für gut. "Vor allem die Energieeffizienz ist ein wichtiges Kriterium." Doch müsse die AUV-Technik zuverlässiger und einfacher in der Handhabung werden.

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