Biotech-Firmen in Serie
Der große Innovator

Christoph Westphal hat die Spürnase für den Marktwert von Forschungsergebnissen, aus den Erträgen dröger Grundlagenforschung weiß er erfolgreiche Biotech-Firmen zu destillieren. Und das gleich im Dutzend.
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BostonChristoph Westphal ist immer in Aktion. Wenn der Biotech-Unternehmer morgens gegen 8 Uhr die zwei Kilometer aus dem Vorort Brookline über die Boston University Bridge zur Arbeit nach Cambridge läuft, dann ist er schon zwei Stunden wach. Hat mit den fünf Kindern gefrühstückt. Und schon ein paar Dutzend Emails geschrieben. Er selbst schätzt seine Wochenarbeitszeit auf 55 Stunden, seine Frau sagt schmunzelnd: 80.

Mit seinen zwei Handys torpediert er Mitarbeiter und Geschäftspartner mit Emails und SMS, ein Kollege zählte 50 am Tag. Nur während der Geburten seiner Kinder war er kurzzeitig nicht erreichbar. Mehr zu tun als andere und dabei auch noch schneller, das gilt für den Familienvater ebenso wie den Unternehmer.

Zehn Firmen hat der Deutschamerikaner seit 2001 ins Leben gerufen, alle im Großraum Boston, dem Biotech-Mekka der USA. Und entgegen allen Regeln der hochriskanten Branche hat bislang fast jede der Westphal-Gründungen das Geld der Investoren vermehrt. Und das scheint nicht allein an Westphals Glück und fleißiger Unrast zu liegen, sondern auch daran, dass er wie kein anderer die spannenden, produkttauglichen und lukrativen Innovationen hinter auf den ersten Blick trockener Grundlagenforschung erkennen kann.

Denn ungewöhnlich an den zehn Firmen Westphals Firmen ist nicht allein die schiere Menge innerhalb kürzester Zeit: Die Gründungen basieren zumeist auf frisch der Grundlagenforschung entsprungenen, neuartigen Medikamenten-Ideen oder -Technologien, deren Umsetzung in Produkte langen Atem, viel Geld, und Risikobereitschaft braucht. Trotzdem versteht es Westphal, den Marktwert von Forschungsergebnissen  nicht nur frühzeitig zu erkennen, sondern auch Investoren und Pharmafirmen – den Cash-Kühen der Biotech-Branche – schmackhaft zu machen.

17 Millionen Dollar hat Westphal beispielsweise 2002 als CEO für die Gründung von Alnylam, die krankmachende Gene mit der nobelpreisgekrönten Therapiemethode namens „RNA-Interferenz“ abschalten, bei Risikokapitalgebern aufgetrieben. Inzwischen wird die Marktkapitalisierung der Firma auf 3,4 Milliarden Dollar geschätzt.

Eigentlich war ihm eine glänzende Karriere in der Wissenschaft schon sicher. Nach sechs Jahren Studium verließ Westphal, heute 45, die Harvard Universität mit einem Doppelabschluss in Medizin und Biologie. Doch er wollte mit seinem Wissen mehr erreichen als nur auf dem Cover von Science oder Nature zu erscheinen.

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Rastloser Macher

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