Biotech in Spanien
Rasch vermehrt

Spanien investiert immense Summen in den Ausbau der Biotechnologie. Das Land hat beste Chancen, zu den führenden Nationen aufzuschließen und verdankt dies einer Wissenschaftspolitik, die in Europa beispielhaft ist – und als Lehrstück für andere Nationen dient.
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Er hätte in die USA gehen oder nach Deutschland zurückkehren können. Doch Miodrag Stojkovic, einer der bedeutendsten Stammzellforscher Deutschlands , entschied sich nach vier Jahren im britischen Newcastle für Spanien. Der Wissenschaftler, dem als erstem Europäer von der britischen Regierung erlaubt wurde, menschliche Zellen zu therapeutischen Zwecken zu klonen, wechselte zu Jahresbeginn an das erst 2005 eröffnete Forschungszentrum Principe Felipe (CIPF) in Valencia.

Dort wird er in den kommenden Jahren als Teamleiter nach neuen Behandlungsmethoden für bisher unheilbare Krankheiten wie Krebs, Epilepsie und Diabetes suchen. "Ich bin schon viel herumgekommen, aber so ein beeindruckendes Forschungszentrum wie dieses hier habe ich noch nie gesehen", schwärmt Stojkovic.

Er ist nicht der einzige Wissenschaftler von Weltrang, den es derzeit nach Spanien zieht. Und das CIPF in Valencia ist nicht das einzige Forschungsinstitut für Biotechnologie auf der Iberischen Halbinsel, das mit modernen Labors und großzügigen Budgets von sich reden macht: Seit 2001 sind mit öffentlichen Mitteln, auch aus EU-Töpfen, 25 neue Biotech-Parks und Laboratorien entstanden, unter anderem in Madrid, Barcelona und Pamplona. Weitere 45 Wissenschafts- und Technologieparks sind geplant. Spanien hat beste Chancen, zu den führenden Biotech-Nationen aufzuschließen und verdankt dies einer Wissenschaftspolitik, die in Europa beispielhaft ist als Lehrstück für andere Nationen.

Auch in der Zusammenarbeit mit Förderern aus der Industrie. Allein 152 Millionen Euro kostet das neue biomedizinische Forschungszentrum der Universität von Navarra, das zu großen Teilen von Privatinvestoren wie Francisco Gonzalez, dem Chef der spanischen Bank BBVA, und dem Gründer der Modekette Zara, Amancio Ortega, finanziert wird. 400 Wissenschaftler werden hier künftig an neuen Behandlungsmethoden für Alzheimer, Lungenkrebs und Leukämie forschen. Gleichzeitig schossen überall im Land Forschungseinrichtungen großer Pharmakonzerne aus dem Boden. Sanofi-Aventis baut für fast acht Millionen Euro ein Zentrum für Grundlagenforschung vor den Toren von Madrid.

Im europäischen Vergleich der Biotechnologie-Regionen rangiert Spanien nach der Anzahl der auf dem Gebiet forschenden Unternehmen derzeit noch im Mittelfeld - mit weitem Abstand hinter Deutschland. Nimmt man die Patentanmeldungen als Richtschnur, sieht es noch schlechter für die Iberer aus. Spanische Wissenschaftler gehören zwar schon lange zu denen, die in internationalen Fachzeitschriften am meisten Aufsätze publizieren. "Bisher konnten sie jedoch wenige ihrer Ideen in die Praxis umsetzen, bei den Patentanmeldung nehmen wir deswegen einen jämmerlichen Platz ein", sagt Ruben Henriquez, Geschäftsführer des Biotech-Unternehmens Apoteknos und Dozent an der Managementschule IE in Madrid.

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