Blitze
Fruchtbare Einschläge

Tödliche Hochspannung und zündender Funke: Blitze machen vielen Menschen Angst. Andere Lebensformen dagegen profitieren von den „Himmelsfeuern“ - und das wohl schon von Anbeginn allen Lebens auf der Erde.
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HEIDELBERG. 1,4 Milliarden - so viele Blitze durchzucken Jahr für Jahr den Himmel auf Erden: 44 in jeder Sekunde. Allein in Deutschland sind es jedes Jahr um die zwei Millionen Entladungen, wobei jeder Quadratkilometer zwischen 0,5 und 10 Einschläge jährlich hinnehmen muss. Und das, obwohl überhaupt nur jeder zehnte Blitz die Erdoberfläche erreicht.

Vor allem wird die enorme Stromstärke gefürchtet, die der Blitz bei der Entladung freisetzt: Negativblitze etwa, bei denen negative Ladung von der Wolkenunterseite zum Boden schießt, zucken mit 20 000 Ampere über den Himmel - sie machen 95 Prozent aller Blitze aus.

Noch heftiger wird es, wenn sich der seltene Positivblitz entlädt: Er lässt 300 000 Ampere zur Erdoberfläche strömen. Zum Vergleich: Durch eine Glühbirne fließt ein Strom von rund einem Ampere. Zugleich heizt sich die Luft im unmittelbaren Umfeld des Blitzkanals auf bis zu 30 000 Grad Celsius auf, was diese schlagartig ausdehnt - der Donner entsteht.

Die Energie reicht aus, um verschiedene chemische Reaktionen in der Atmosphäre und am Einschlagsort in Gang zu setzen: Vor einigen Jahren konnte Renyi Zhang von der Texas A & M University in College Station nachweisen, dass Blitze bisweilen mehr Stickoxide und Ozon in der Troposphäre erzeugen als der Mensch mit seinen Abgasen: Bis zu 90 Prozent der Stickoxide und ein Drittel des Ozons stammen an manchen Orten aus dem atmosphärischen Funkenflug - über das Jahr hinweg beträgt der Anteil immerhin noch ein Zwanzigstel. Zugleich schaffen die Blitze aber auch Sauerstoffradikale, die als waschaktive Substanzen die Luft wieder reinigen.

Auch am Einschlagsort verändert der Stromstoß die physikalischen, chemischen und morphologischen Eigenschaften des Substrats - Blitzröhren sind dafür ein markantes Beispiel: Jagt der Blitz in den Boden, verschmelzen seine immer noch extrem hohen Temperaturen von mehr als 2200 Grad Celsius Sandkörner oder Gestein zu so genannten Fulguriten. Sie können bis zu mehrere Meter lang werden und verzweigen sich an ihren Enden, da die elektrische Ladung der Feuchtigkeit oder Wurzeln folgt.

Doch die entstandenen Blitzverglasungen sind nicht nur eine petrologische Besonderheit, sie liefern noch viel mehr, wie nun die US-Forscher Matthew Pasek und Kristin Block herausgefunden haben. Sie konnten nachweisen, dass Blitze hungrige Bakterien mit leichtverdaulichem Dünger versorgen.

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