Blue-Gene-Prototyp überbietet Rechenleistung des Earth Simulator und wird so zum schnellsten Superrechner der Welt
IBM verdrängt NEC vom Thron

Computerbauer IBM hat den Spitzenplatz bei den Supercomputern zurückerobert. Ein Prototyp des neuen Hochleistungsrechners Blue Gene/L hat erstmals den Geschwindigkeitsrekord des Earth Simulator gebrochen. Der Großrechner´wird in Japan zur Umweltsimulation eingesetzt.

DÜSSELDORF. Wie der amerikanische Computerkonzern gestern mitteilte, hat der Blue-Gene-Prototyp mit 36,01 Teraflops (Billionen Kalkulationen pro Sekunde) den Rekord von 35,86 Teraflops übertroffen. NEC hatte den Geschwindigkeitsrekord mit seinem Earth Simulator im Jahr 2002 aufgestellt und IBM vom Thron gestürzt. Seitdem war es das Ziel der Amerikaner, den verlorenen Titel so schnell wie möglich zurückzuerobern. Der Blue-Gene- Prototyp ist mit 16 000 Prozessoren nicht nur schneller als bisherige Superrechner, er ist auch kleiner und verbraucht weniger Energie.

„Unser Blue Gene nimmt mit rund 33 Quadratmetern nur noch ein Hunderstel des Raumes eines Earth Simulators ein und verbraucht 96 Prozent weniger Energie“, sagte Dave Turek, Vizepräsident der Großrechnersparte von IBM gegenüber der Agentur Bloomberg. Zum Vergleich: Der Earth Simulator wurde in einem speziell dafür konzipierten 3 250 Quadratmeter großen Gebäude am Yokohama Institute for Earth Sciences installiert.

Der Computerkonzern hat das Blue-Gene-Konzept – kleinere leistungsstarke Rechneranlagen zu einen günstigen Preis – entwickelt, um Forschungseinrichtungen und Unternehmen künftig maßgeschneiderte Rechenkapazitäten bieten zu können. Gleichzeitig kam es dem Computerbauer aber auch darauf an, wieder in der Liste der schnellsten Supercomputer auf Platz eins vorzurücken und den Abstand zu den anderen Anbietern zu vergrößern.

Jetzt ist es IBM sogar gelungen, dieses Ziel noch vor der Inbetriebnahme des neuen Supercomputers, den das Unternehmen für das Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien baut, zu erreichen. Dieser Rechner soll im nächsten Jahr fertig werden und mit rund 130 000 Blue-Gene/L-Prozessoren neun Mal schneller sein als der Earth Simulator. Das Institut plant den Rechner für Simulationen physikalischer Phänomene einzusetzen, die heute noch die verfügbaren Rechenkapazitäten überfordern, so zum Beispiel Berechnungen zum Verhalten von Sternenpaaren, Laser-Plasma-Interaktionen, und das Verhalten hochexplosiver Stoffe.

Parallel zur Entwicklung dieser Großrechenanlage konnte IBM auch einige Erfolge beim Bau kleinerer Blue-Gene-Anlagen verzeichnen. So hat der Konzern Anfang September den Verkauf des dritten kleineren Systems bekannt gegeben. Dieses geht nach Japan an das Computational Biology Research Center (CBRC) des japanischen National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST). Das System soll bis zu 22,8 Teraflops pro Sekunde schaffen. Die japanischen Wissenschaftler wollen den Rechner zur Genanalyse nutzen. Dabei geht es unter anderem um die Vorausberechnung der Wirkung von Wirkstoffen. Frühere Abnehmer beziehungsweise Kooperationspartner sind das Radioteleskop-Projekt Astron und das Argonne National Laboratory.

IBM und NEC sind aber nicht alleine im Rennen um die Krone unter den Supercomputern: Das japanische Wissenschaftsministerium unter anderem fördert ein Konsortium, das einen Großrechner mit 1 000 Teraflops pro Sekunde bauen will. Etwas bescheidener ist das Projekt von Intel, SGI und der Nasa: Mit 60 Teraflops pro Sekunde würde das neue System der US-Luft- und Raumfahrtbehörde aber auch weit vor dem Earth Simulator liegen. Durch Zusammenarbeit zwischen SGI und Intel soll ein Superrechner aus insgesamt 10 240 Itanium-2-Prozessoren entstehen, der mit Linux arbeitet. Der Nasa-Cluster-Rechner soll zum einen zur Simulation künftiger Weltall-Missionen und der Konstruktion von Weltraumfahrzeugen dienen, aber auch zur Untersuchung des Einflusses menschlicher Aktivitäten auf das Wetter genutzt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%