Forschung + Innovation
Blut von Familien bildet die Geschichte der Chemikalien ab

Von der Großmutter bis zur Enkelin - jede Generation hat ihren ganz eigenen Cocktail giftiger Chemikalien im Blut. Das zeigt eine europäische Studie der Umweltorganisation WWF, die am Donnerstag in Brüssel vorgestellt wurde.

dpa BRüSSEL/FRANKFURT/MAIN. Von der Großmutter bis zur Enkelin - jede Generation hat ihren ganz eigenen Cocktail giftiger Chemikalien im Blut. Das zeigt eine europäische Studie der Umweltorganisation WWF, die am Donnerstag in Brüssel vorgestellt wurde.

Mediziner haben 73 Chemikalien im Blut der teilnehmenden zwölf Familien nachgewiesen. „Die meisten Chemikalien fanden sich bei den Großmüttern (63)“, hieß es in der Pressemitteilung. „Die teilnehmenden Kinder hatten mehr Schadstoffe (59) im Blut als ihre Mütter (49).“ Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) erklärte zu der WWF-Studie, dass der bloße Nachweis von Substanzen im Blut nicht zwangsläufig bedeute, dass damit ein Problem für die Gesundheit verbunden ist.

Die bei den Jüngsten gefundenen Stoffe waren nach den WWF-Angaben zumeist Chemikalien, die aus Computern, Textilien und Kosmetika stammen. Im Blut der Großmütter hingegen befänden sich vermehrt ältere und bereits verbotene Chemikalien wie DDT und PCB. Jeder Untersuchte hatte nach den Angaben mindestens 18 Schadstoffe im Blut.

Der WWF (World Wide Fund for Nature) appellierte angesichts der Studie eindringlich an die EU-Staaten, die geplante Richtlinie zur Erfassung der Gefahren von Chemikalien (Reach) nicht weiter abzuschwächen. Die erste Lesung findet im Europäischen Parlament im November statt. Der federführende Umweltausschuss des Parlaments hatte am vergangenen Dienstag das Gesetz wieder verschärft. Zwei andere Ausschüsse hatten das Gesetz zuvor aufgeweicht.

Das Gesetz sieht vor, dass Daten zu rund 30 000 chemischen Stoffen mitgeteilt werden müssen. Es wird seit knapp zwei Jahren in den EU-Institutionen diskutiert und stößt bei der Chemiebranche auf starken Widerstand. Der Verband der Chemischen Industrie schreibt in seiner in Frankfurt/Main veröffentlichten Mitteilung: „Die Aktion des WWF zeigt im Prinzip nur, dass sich die Empfindlichkeit der chemischen Analytik immer weiter verbessert.“

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