Blutzellen produzieren Protein, das die Entzündung stoppen kann
Körpereigener Wirkstoff im Blut bekämpft Arthrose

Arthrose ist keine Alterserscheinung. Immer mehr junge Menschen leiden unter Gelenkverschleiß und müssen behandelt werden. Das Mittel der Wahl ist Kortison mit all seinen Nebenwirkungen. Doch die Behandlung ginge auch schonender. Die Düsseldorfer Firma Orthogen AG hat eine Methode entwickelt, bei der ein körpereigener Wirkstoff im Blut des Patienten vermehrt und isoliert wird, mit dem die Arthrose anschließend gestoppt werden kann.

DÜSSELDORF. Arthrose bedeutet „Gelenkverschleiß“ und befällt am häufigsten die Gelenke von Knie, Hüfte, Hand und Wirbelsäule. Die Körpergelenke sind an Kopf und Pfanne mit einer Knorpelschicht überzogen, die wie ein Stoßdämpfer wirkt und die Gelenke geschmeidig hält. Bei der Arthrose wird diese Knorpelschicht mehr und mehr zerstört. Die Folgen sind: Schmerzen, Entzündungen und die Einsteifung des Gelenkes. Bei weit fortgeschrittener Zerstörung des Gelenkknorpels bleibt dann oft nur der Einsatz eines künstlichen Gelenkes.

Die Arthrose entsteht, weil das biochemische Gleichgewicht zwischen zwei Botenstoffen im Gelenk gestört ist. Ein Überschuss des Proteins „Interleukin-1“ ist für den Abbau des Knorpels im Gelenk verantwortlich. Mit dem von Orthogen entwickelten Orthokin-Verfahren wird das Anti-Interleukin (IL1-Ra) vermehrt, das im Blut der Arthrosepatienten zwar noch vorhanden ist, aber nicht ausreicht, um das schädliche Protein in Schach zu halten.

Glaskügelchen stimulieren die Blutzellen

Das Verfahren wurde von dem Biologen Julio Reinecke, Geschäftsführer von Orthogen Therapeutics, entwickelt. Es macht sich zu Nutze, dass Blutzellen, wenn sie mit bestimmten Oberflächen in Berührung kommen, antientzündliche Wirkstoffe entwickeln. Reinecke ist es gelungen, eine Oberfläche zu finden, die Blutzellen dazu bringt, das IL1-Ra-Protein zu entwickeln. Diese Oberflächenstruktur wurde auf winzige Glaskugeln übertragen, so dass die Vermehrung des Wirkstoffes in der Spritze erfolgen kann, mit der das Blut abgenommen wird.

Bereits 24 Stunden später ist die Konzentration des körpereigenen Wirkstoffs um das bis zu 100fache höher als bei der Blutabnahme. Nun muss das Protein nur noch im Hochreinlabor abgetrennt, in Ampullen abgefüllt und zum behandelnden Arzt transportiert werden. Dieser spritzt das gewonnene Wirkstoff- Serum direkt in das erkrankte Gelenk. Die Wirkstoffmenge reicht für sechs bis acht Injektionen, die nach und nach verabreicht werden. Dabei bildet sich die Entzündung zurück.

Beschwerden blieben lange Zeit aus

Bislang sind über 15.000 Patienten mit dem biotechnischen Verfahren behandelt worden. „Die Wirkung hielt im Schnitt zwei Jahre an, bis die nächsten Beschwerden auftraten“, so das Ergebnis von Studien, die in verschiedenen Praxen erstellt wurden. Die Behandlung kann jedoch mehrfach wiederholt werden. „Da die Behandlung mit einem körpereigenem Wirkstoff durchgeführt wird, treten kaum Nebenwirkungen auf“, sagt Reinecke. Das Orthokin-Verfahren funktioniere allerdings nicht, wenn bereits zu viel Knorpel geschädigt ist oder mechanische Defekte an den Gelenken vorliegen. Die Therapie sei jedoch nicht vergleichbar mit einer Eigenblutbehandlung, da hier das Blut, über biophysikalische Prozesse angeregt, einen spezifischen Entzündungshemmstoff bildet.

Die Herstellung des Wirkstoffs kostet rund 950 Euro. Hinzu kommt das Honorar, das der behandelnde Arzt in Rechnung stellt. Die Kosten werden zurzeit nur von einigen Privat- Kassen übernommen.

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