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Britische Embryos mit Krebsrisiko dürfen aussortiert werden

Embryonen mit einem erhöhten Krebsrisiko dürfen in Großbritannien künftig bei der künstlichen Befruchtung aussortiert werden. Die britische Behörde für menschliche Fruchtbarkeit und Embryologie bestätigte am Montag, dass sie ein entsprechendes Verfahren genehmigt habe.

dpa LONDON. Embryonen mit einem erhöhten Krebsrisiko dürfen in Großbritannien künftig bei der künstlichen Befruchtung aussortiert werden. Die britische Behörde für menschliche Fruchtbarkeit und Embryologie bestätigte am Montag, dass sie ein entsprechendes Verfahren genehmigt habe.

Wissenschaftler vom University College London können damit nun Embryonen aussortieren, die Träger eines Gens sind, das eine aggressive Form von Darmkrebs begünstigt. Stattdessen soll der Mutter ein Embryo eingepflanzt werden, der dieses Risiko-Gen nicht geerbt hat.

Eine der Patientinnen, eine 35-jährige Frau aus Bristol, äußerte sich in der „Times“ „überglücklich“ darüber, dass sie jetzt nicht mehr befürchten müsse, das erhöhte Krebsrisiko auf ihr Kind zu übertragen. Der Mediziner Paul Serhal, der die Embryonen überprüfen wird, sagte: „Hiermit wird es uns gelingen, ein fehlerhaftes Gen völlig auszuradieren.“

Kritiker des Verfahrens hielten dagegen, hier würden vorselektierte „Designer-Babys“ geschaffen. Es sei keineswegs sicher, dass die Träger des Gens auch wirklich Darmkrebs bekämen, und außerdem könne man durch frühzeitige chirurgische Eingriffe verhindern, dass die Krankheit ein gefährliches Stadium erreiche. Am Ende dieser Entwicklung würden vielleicht nur noch Embryonen mit einem perfekten Erbgut am Leben gelassen.

Die britische Behörde hatte in diesem Jahr bereits die Vorauswahl von Embryonen nach bestimmten „wünschenswerten Merkmalen“ erlaubt, wenn damit Geschwisterkinder gerettet werden können. Hintergrund war der Fall eines zweijährigen Jungen, der an einer seltenen Blutkrankheit leidet. Eine Stammzellspende soll bewirken, dass sein Körper wieder genug rote Blutkörperchen produziert. Stammzellen mit passendem Erbgut sollen dazu einem gezielt per künstlicher Befruchtung geschaffenen Geschwisterkind entnommen werden.

In Deutschland ist jede genetische Voruntersuchungen von Embryonen vor dem Einsetzen in die Gebärmutter, die Präimplantationsdiagnostik (PID), verboten.

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