Buchtipp: Der Kampf um die Tiefsee

Buchtipp
Der Kampf um die Tiefsee

Unbekannter Lebensraum Tiefsee: Manch ferner Planet ist besser erkundet als das größte Ökosystem der Erde. Ein neues Buch soll das jetzt ändern.
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Schon auf Seite sieben würde man sich am liebsten eine Taucherbrille aufsetzen und ins Wasser springen. Sarah Zierul ist mit ihrem Buch „Der Kampf um die Tiefsee“ ein großer Wurf gelungen. Natürlich hat die TV-Journalistin auch Glück, dass sie es nur wenige Monate nach dem Untergang der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko veröffentlicht hat und alle Welt intensiv über den Sinn und Unsinn von Ölförderung in tausenden Metern Tiefe diskutiert.

Das Thema Tiefsee fasziniert aus mehreren Gründen: Zum einen wegen der Schlacht um die Rohstoffe, die dort unten liegen und deren Förderung das 21. Jahrhundert wesentlich bestimmen dürfte. Vielmehr aber noch, weil wir Menschen so wenig über den Grund des Meeres wissen. Inzwischen kennen wir nicht mehr nur den Mond besser als Tiefsee, sondern wohl auch die Oberfläche des Mars.

Zierul will das seit Jahren ändern und beweist in ihrem Buch, dass so manches Klischee über das Halbwissen von Fernseh-Dokumentarfilmern in der Regel unangebracht ist. Die 32-Jährige überzeugt mit Detailkenntnissen und praktisch allen wesentlichen Zahlen. Nicht zuletzt sind einige ihrer Tiefsee-Filme auch preisgekrönt. Dazu gehört auch eine Antwort auf die Frage, wo die Tiefsee eigentlich beginnt. Eine harte Definition gebe es nämlich gar nicht. Forscher hätten sich auf die Tiefe von 1000 Metern geeinigt, weil hier auch mit feinsten Instrumenten kein Sonnenlicht mehr messbar ist.

Das Buch profitiert von der Tatsache, dass Zierul als Journalistin unbelastet und mit einem breiten Interesse an das Thema heranging. Es ist in erster Linie eine Reportage, eine in Wort gegossene Schilderung ihrer spannenden Dreharbeiten und Interviews. Zierul nimmt den Leser mit nach Neuseeland, Afrika, die Nordsee und viele andere Orte. Der Leser braucht weder Vorwissen noch ein gesteigertes Interesse für das Thema, um die 350 Seiten mit Spannung durchzublättern.

Man erfährt wichtige Details über die Forschung. Zum Beispiel, wie viele Tauch-Roboter es gibt, die unter 5000 Metern operieren können und wer diese besitzt. Auch das Thema Finanzierung spart Zierul nicht aus. Sie stellt dem Leser Dutzende von Wissenschaftlern vor, die sie auf ihren Expeditionen begleitet hat. Dabei geht es nicht mehr in wissenschaftliche Details als nötig. Auf der anderen Seite zeigen sich die Fachleute überraschend redselig und überzeugen mit so manchem bemerkenswerten Zitat. Dabei mangelt es nicht an kurzen, wissenswerten Sprüngen in die Geschichte.

Doch lesenswert ist das Buch vor allem deshalb, weil die Autorin ihre Begeisterung beim Anblick der Unterwasserwelt lebhaft überträgt. In Zahlen heißt das: Allein die Forscher vom Census of Marine Life entdecken pro Woche durchschnittlich zwölf neue Spezies. Angesichts der rund 240 000 bekannten marinen Lebensformen und der bis zu 100 Millionen geschätzten, die es in der Tiefsee geben könnte, wirkt das wie eine Herkulesaufgabe.

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Der Kampf um die Tiefsee

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