Bürgerrechtler warnen vor „Big-Brother“-Technik
Funkchips sichern Ware gegen Diebstahl

Als erster Händler testet die größte britische Supermarktkette in der Universitätsstadt eine neue Technik im Kampf gegen Ladendiebe: Kleine Funkchips in der Verpackung lösen eine Überwachungskamera in der Nähe des Regals aus, wenn ein Kunde die Ware aus dem Regal nimmt.

and CAMBRIDGE. Bitte recht freundlich! – wer bei Tesco im englischen Cambridge Rasierklingen der Marke „Mach 3“ von Gillette kauft, sollte nicht zu grimmig schauen. Als erster Händler testet die größte britische Supermarktkette in der Universitätsstadt eine neue Technik im Kampf gegen Ladendiebe: Kleine Funkchips in der Verpackung lösen eine Überwachungskamera in der Nähe des Regals aus, wenn ein Kunde die Ware aus dem Regal nimmt. Die Kamera klickt noch einmal an der Kasse, wenn der Kunde das Produkt nicht bezahlt. Die Polizei in Cambridge zeigt sich „beeindruckt“ von dem Ergebnis und hat damit schon Langfinger überführt.

Vor allem der Diebstahl von Rasierklingen kostet die Branche jährlich Millionen: „Mach 3“ Schachteln sind das begehrteste Objekt von britischen Ladendieben. Die Packungen sind teuer und lassen sich gut weiter verkaufen. Tesco hofft die Diebe mit der neuen Technik künftig abschrecken zu können.

Experten sehen für die Chiptechnik, unter dem Namen Radio Frequency Identification (RFID) einen Riesenmarkt. Die Funkchips haben eine ähnliche Funktion wie ein Barcode und speichern Informationen über das jeweilige Produkt. Der Vorteil ist jedoch: Die Daten auf dem RFID-Chip können berührungslos per Funk ausgelesen werden. Bislang wurde die Technik von Konzernen wie Wal-Mart in Amerika – nur ohne Verknüpfung mit einer Kamera – getestet, etwa beim DVD-Verkauf.

Englischen Bürgerrechtlern ist der neue Chip ein Dorn im Auge. Die heimliche Überwachung der Kunden müsse „dringend gesetzlich geregelt werden“, sagt Katherine Albrecht, Gründerin der Initiative Caspin, die die Diebstahlsicherung kippen will. Die Bürgerrechtler rufen inzwischen zum Boykott von Tesco auf und machen mit Demonstrationen vor dem Geschäft in Cambridge gegen die „Big Brother“-Technik mobil. Sie fürchten, dass bald viele Produkte mit den Funkchips bestückt sind, mit denen der Kunde ausspioniert werden könnte. Das Problem sei, dass die Chips oft auch nach dem Kauf noch aktiv seien. Unbemerkt könnten dann Informationen über den Einkauf wertvoller Waren oder die Zahlungsweise abgefragt werden, warnen Kritiker.

Experten halten dies jedoch für übertrieben. „Man kann die Chips ohne Probleme beim Zahlen an der Kasse deaktivieren und alle Daten vernichten“, sagt Jon Parsell vom Hersteller RFID Components. Und Tesco erklärt, man werde die Privatsphäre der Kunden nicht gefährden. „Die Chips können nur im Tesco-Laden gelesen werden“, heißt es.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%