Bürowelt
Ein Heim für Arbeitsnomaden

Im niederländischen Houten verwandelte der Büromöbelhersteller Samas ein schmuckloses Verwaltungsgebäude in ein revolutionäres Bürohaus. Mit dem „Village Office“, der neuen Konzernzentrale, präsentiert das Unternehmen seine Vision von der Arbeitswelt der Zukunft.

UTRECHT. Wenn Theo Magermans jetzt morgens ins Büro kommt, muss er sich erst einmal daran gewöhnen, dass er keinen eigenen Raum mehr zur Verfügung hat. Stattdessen muss sich der für das internationale Geschäft verantwortliche Manager des europäischen Büromöbelherstellers Samas-Groep (Marken: Martin Stoll, Schärf, Fortschritt) in der neu eröffneten Zentrale seiner Firma immer wieder einen neuen Arbeitsplatz suchen. Neben viel natürlichem Licht sollte dieser eine große Ablagefläche besitzen, auf der Magermans handschriftlichen Berechnungen Platz finden, die er Tags zuvor an seinem hundert Kilometer entfernten Wohnort in seinem häuslichen Arbeitszimmer zu Papier gebracht hat.

Nachdem die Beleuchtung und Belüftung an der selbst gewählten Arbeitsstelle stimmen, hat der knapp 1,68 Meter große Manager jetzt nur noch ein Problem: An dem gleichen Tisch hatte es sich gestern der zwei Meter lange IT-Leiter Wouter Hasekamp bequem gemacht und ein wichtiges Meeting vorbereitet. Doch noch bevor Magermans nach den Stellschrauben für die Büromöbel suchen kann, haben sich sowohl der Drehstuhl als auch der Bürotisch wie von Geisterhand auf seine Körpermaße eingestellt.

Die notwendigen Daten hierfür befinden sich auf dem Chip in der kontaktlosen Transponderkarte im Scheckkartenformat, die ihm bereits den ungehinderten Zugang zur Firmenzentrale ermöglicht hat. Auf dem PC dessen Monitor aus der Arbeitsfläche hervorschwenkt, werden nun ohne weitere Tastenbetätigung alle Voreinstellungen gemäß des persönlichen Nutzerprofils geladen.

Da nicht immer die Konzentration im Großraum gelingt, haben die Samas-Mitarbeiter alternativ die Möglichkeit, sich in ein abgeschottetes klimatisiertes Kleinstbüro zurückziehen. Auch für den ungestörten Empfang von wichtigen Besuchern ist gesorgt. Ein Leitsystem aus im ganzen Haus verteilten Flachbildschirmen lotst die Gäste, nachdem sie sich beim Empfang gemeldet haben, zur Konferenzzone.

Der 60-Jährige Magermans muss sich allerdings noch damit anfreunden, dass er gemeinsam mit seinen rund 150 Kolleginnen und Kollegen in der neuen Konzernzentrale nun in einem riesigen gläsernen Showroom arbeitet. Denn, wenn es nach dem Willen des Samas-Managements geht, soll sich die niederländische Provinzstadt Houten bei Utrecht nun zum Mekka der europäischen Büroeinrichter entwickeln. „Hier zeigen wir die Perspektiven des Büros im 21. Jahrhundert bereits in der täglichen Anwendung“, sagt Konzernchef Hans van der Ven und meint die Abkehr von der bisherigen Bürowelt mit ihren starren Arbeitszeiten, festgelegten Arbeitsorten und zentralen Strukturen.

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