Forschung + Innovation
Bulmahn für Zulassung weiterer Stammzell-Linien

Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) ist dafür, künftig weitere embryonale Stammzellkulturen für die Forschung in Deutschland zuzulassen. Bislang dürfen Wissenschaftler in Deutschland nur mit importierten Stammzelllinien arbeiten, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen worden sind.

dpa BERLIN. Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) ist dafür, künftig weitere embryonale Stammzellkulturen für die Forschung in Deutschland zuzulassen. Bislang dürfen Wissenschaftler in Deutschland nur mit importierten Stammzelllinien arbeiten, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen worden sind.

Die bisher für die Forscher zugelassenen Zellkulturen seien zum Großteil durch Nährlösungs-Substanzen verunreinigt, sagte Bulmahn am Mittwoch im NDR. Mit diesen Zelllinien könne man zwar Grundlagenforschung betreiben, sie aber nicht für medizinische Therapien nutzen. Bulmahn sprach sich deshalb dafür aus, die Nutzung und Verwendung von Stammzelllinien zuzulassen, die nach dem Januar 2002 entwickelt worden sind.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich am Vortag für die Lockerung der strengen deutschen Vorschriften bei der embryonalen Stammzellenforschung ausgesprochen. Bulmahn sagte, die Forschung in Deutschland dürfe sich nicht von der internationalen Entwicklung abkoppeln. Es sei wichtig, gesetzliche Rahmenbedingungen zu haben, mit denen Mediziner die Forschungsergebnisse später auch für eine Therapie nutzen könnten. „Das geht schlichtweg mit den Stammzellen, die vor dem Januar 2002 produziert und entwickelt worden sind, nicht.“

Die Stichtagsregelung war nach einem fraktionsübergreifenden Kompromiss in das Stammzellengesetz eingefügt worden, um die Abtötung weiterer Embryonen für die deutsche Forschung zu verhindern.

Die Gegner der embryonalen Stammzellenforschung aus allen Parteien äußerten sich erneut kritisch zu dem Schröder-Vorstoß. Unions-Fraktionsvize Maria Böhmer sagte dem Sender n-tv, der Bundestag habe fest gestellt, dass in Deutschland keine Embryos für die Forschung „verbraucht“ werden dürfen. „Deshalb muss das Embryonenschutzgesetz und das Stammzellgesetz so gewahrt bleiben“. Dabei grenzte sich Böhmer auch von dem möglichen FDP-Koalitionspartner ab. Die FDP habe für ihre Position keine Mehrheit gefunden. Dies werde auch in Zukunft so bleiben.

Die Grünen-Politikerin Christa Nickels nannte eine Lockerung der Gesetze im Rundfunk Berlin-Brandenburg rbb „zutiefst unethisch“. Auch der SPD-Abgeordnete Wolfgang Wodarg lehnte das Kanzler-Plädoyer für eine Ausweitung der Forschung mit embryonalen Stammzellen ab. Die Nutzung adulter Stammzellen sei viel sinnvoller. Der Einsatz dieser Zellen ist völlig unstrittig. Sie werden unter anderem aus Rückenmark gewonnen.

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel plädierte hingegen für mehr Forschungsfreiheit und kritisierte dabei insbesondere die Ablehnung der embryonalen Stammzellenforschung durch die Grünen. Wer die Entwicklung heilender Medikamente verhindere, mache sich mitschuldig an unnötigem Leid von Kranken, sagte Niebel.

Auch FDP-Vize Rainer Brüderle gab dem Kanzler Rückendeckung. Früher sei Deutschland „die Apotheke der Welt“ gewesen. Die wichtigsten Medikamente seien hier entwickelt und auf den Markt gebracht worden. „Wir verlieren zunehmend diese Kompetenz“, sagte Brüderle dem Sender n-tv. Dies werde auch „ein harter Verhandlungspunkt“ bei Koalitionsgesprächen mit der Union sein.

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