Bundespräsident
Köhler: Weg von Wissenschaft in Wirtschaft zu lang

Bundespräsident Horst Köhler hat einen zu langen Weg von Forschungserkenntnissen in der deutschen Wissenschaft in die Wirtschaft beklagt. „In Deutschland werden viele grundlegende Erkenntnisse gewonnen.

dpa GöTTINGEN. Bundespräsident Horst Köhler hat einen zu langen Weg von Forschungserkenntnissen in der deutschen Wissenschaft in die Wirtschaft beklagt. „In Deutschland werden viele grundlegende Erkenntnisse gewonnen. Aber der Weg bis hin zu Arbeitsplätzen ist immer noch schlechter und langsamer als in anderen Ländern.“

Das sagte Köhler bei einem Besuch im Göttinger Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie. Als Beispiel nannte er den MP3-Player, der in Deutschland entwickelt worden sei, dann aber hauptsächlich für japanische Konzerne zu einem „Riesengeschäft“ geworden sei.

Köhler sagte, die Politik habe dieses „Manko“ in der Zwischenzeit zwar erkannt. „Wir müssen in diesem Bereich aber rascher und entschlossener handeln.“ Köhlers Besuch galt dem Wissenschaftler Stefan Hell, der vergangenes Jahr mit einem besonders leistungsfähigen Lichtmikroskop den mit 250 000 Euro dotierten Zukunftspreis gewonnen hatte. Das Gerät wird im November in den USA vorgeführt und dann auch kommerziell vertrieben. Nur selten folgen Erfindung und Vermarktung so dicht aufeinander.

Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Peter Gruss, bedauerte, dass es in Deutschland wenig Risikokapital gebe, um vielversprechende Erfindungen in Start-Up-Unternehmen zur Marktreife zu bringen. „An diesem Punkt besteht eine strukturelle Lücke von ein bis zwei Jahren.“ Zur Lösung des Problems schlug Gruss einen Fonds der Bundesregierung vor, der von der Wirtschaft mit betreut wird. Wissenschaftler könnten dann Anträge an diesen Fonds stellen, um ihre Projekte anwendungsorientiert voranzutreiben. „Nötig wären zwischen 100 und 150 Mill. im Jahr“, sagte Gruss.

Köhler forderte mit eine „Exzellenzinitiative“ für die Lehre an den Universitäten. „Wir brauchen mehr junge Menschen, die sich mit einem Hochschulstudium erfolgreich auf anspruchs- und verantwortungsvolle Berufe in der Wissensgesellschaft vorbereiten.“ Deutschland werde seinen Wohlstand nur erhalten, wenn es im weltweiten Wettbewerb der Wissensgesellschaft in der „ersten Liga“ mitspiele. Die Vorbereitung auf diese Wissensgesellschaft müsse bereits im Kindergarten beginnen „und nicht erst in der Oberstufe“.

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