Capex plant in Patagonien Wasserstoffproduktion mit Hilfe von Windrädern
Wasserstoff speichert Windenergie

Das mittelständische argentinische Energieunternehmen Capex hat ein Konzept entwickelt, um Wasserstoff, der beispielsweise für den Betrieb von Brennstoffzellen benötigt wird, auf der Basis von Windkraft auf kommerzieller Basis und in großem Rahmen zu produzieren. Capex, das bisher in Argentinien Öl und Gas produziert und eine Wärmekraftanlage betreibt, stellt das Projekt auf der Internationalen Konferenz für Erneuerbare Energien in Bonn vor, die noch bis einschließlich Freitag läuft.

BUENOS AIRES. In der argentinischen Provinz Santa Cruz mitten in Patagonien sollen auf einer Fläche von 90 km x 20 km 16 Gigawatt Windkraftkapazität bereitgestellt werden. Mit dem so erzeugten Strom wird Wasser per Elektrolyse in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Anschließend soll der Wasserstoff verflüssigt und per Schiff in die Region und in die ganze Welt transportiert werden.

„Es gibt keinen Ort auf der Welt, der so viele günstige Charakteristiken für ein solches Projekt aufweist wie Patagonien“, sagt Capex Geschäftsführer Sergio Raballo. Die Region ist eines der Gebiete mit dem größten Windkraftpotenzial weltweit. Der Wind bläst nicht nur stark, sondern auch stetig. Die für das Projekt vorgesehene Region im Nordosten von Santa Cruz hat einen Kapazitätsfaktor von 47 %, im Vergleich zu nur 38 % an der deutschen Nordseeküste, die bisher zu den besten Windkraft-Standorten zählt. Auf Grund des hohen Windpotenzials würden 6,2 % der Fläche der beiden argentinischen Provinzen Santa Cruz und Chubut ausreichen, um den Energiebedarf Deutschlands mit Wasserstoff zu decken.

Daneben gibt es in Patagonien ausreichend Süßwasser für die Elektrolyse. Auch moderne Häfen und Flughäfen sind vorhanden und schließlich käme ein hoher Verstädterungsgrad dem Projekt zugute: Während in den Städten gut qualifizierte Arbeitskräfte verfügbar sind, ist Santa Cruz insgesamt dünner besiedelt als die Sahara, so das die Bebauung eines kleinen Teils durch Windparks relativ unproblematisch wäre.

„Capex will zeigen, dass der Wasserstoff bereits mittelfristig im industriellen Maßstab hergestellt werden kann und als alternative Energie in Frage kommt“, sagt Jürgen Illing, Geschäftsführer der Deutsch Argentinischen Handelskammer. Das Capex Projekt erfordert Investitionen in Höhe von 19 Mrd. Dollar innerhalb von zehn Jahren. Möglich würde eine Produktion von 13,3 Mill. Kubikmeter Flüssig-Wasserstoff pro Jahr. Damit würde die Kohlendioxidemission um 40 Mill. Tonnen reduziert. Dies ist ein wichtiges Detail, denn der Handel mit Emissionszertifikaten, der Anfang 2005 in Europa starten soll, könnte neben internationalen privaten und öffentlichen Mitteln einen großen Teil zur Finanzierung des Projektes beitragen.

Die Technologien für das Projekt sind verfügbar. Allerdings sind die Tankschiffe für den Transport des flüssigen Wasserstoffs in großen Mengen und über lange Strecken bisher noch sehr teuer. Für den Transport über kurze Strecken in Märkte der Region würden jedoch normale Kühlcontainer ausreichen.

Um die technologischen Details zu präsentieren und die Finanzierung auszuarbeiten, werde es einige Jahre dauern. Capex hat ausgerechnet, dass die Produktionskosten (ohne Transportkosten) für das Projekt zwar zum jetzigen Zeitpunkt etwa vier Mal so hoch wären als die Erzeugung der gleichen Energiemenge in einem Wasserkraftwerk. „Aber in dem Maße, wie sich die Technologie durchsetzt, wird sie billiger. Gleichzeitig werden fossile Brennstoffe teurer, je knapper sie werden“, sagt Raballo.

Eine Frage, die immer wieder gestellt wird, ist: Ob der Standort Argentinien politisch und wirtschaftlich stabil genug ist, um attraktiv für Investitionen in dieser Größenordnung zu sein. Da ein solches Projekt den nationalen Rahmen übersteige, würde es Verpflichtungen vieler Länder und Kontrollen von internationalen Institutionen erfordern“, versucht Raballo Sicherheitsbedenken zu zerstreuen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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