Casting für die ISS

Deutsche Astronautin gesucht

Elf Deutsche waren bislang im All – alles Männer. Eine private Initiative will nun die erste deutsche Frau als ausgebildete Astronautin ins All bringen. Hunderte Frauen haben sich beworben. Jetzt wird ausgesiebt.
Die Italienerin ist derzeit die einzige Frau im Astronauten-Team der Esa. Quelle: AP
Samantha Cristoforetti

Die Italienerin ist derzeit die einzige Frau im Astronauten-Team der Esa.

(Foto: AP)

BerlinWenn ihr der Mechaniker in der Autowerkstatt mal wieder zeigen will, wie die Motorhaube aufgeht, kann Jovana Džalto nur müde lächeln. Der Mann kann ja nicht ahnen, dass sie Maschinenbau-Ingenieurin ist und sich als Astronautin beworben hat.

Džalto ist eine von 400 Frauen, die den Traum haben, ab 2020 für zehn Tage mit einer privaten Mission zur Internationalen Raumstation ISS zu fliegen – als erste deutsche Astronautin. Bisher waren nur deutsche Männer im All, elf an der Zahl. Zuletzt war Alexander Gerst auf der ISS. Und er startet 2018 gleich noch einmal.

„Der Traum allein reicht nicht“, sagt Claudia Kessler. Die Luft- und Raumfahrttechnikerin ist Personalvermittlerin in der hoch spezialisierten Weltraum-Branche. Noch viel lieber wäre die Bremerin selbst ins All geflogen. „Aber ich war immer zur falschen Zeit im falschen Alter“, bedauert sie. Bei der Mondlandung 1969 war sie vier.

Deutsche Weltraumlegenden
Sigmund Jähn wird 80
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Der erste Deutsche im All war ein DDR-Bürger. Mit der Rakete „Sojus 31“ startete Sigmund Jähn am 26. August 1978 vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur aus, gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski (82). Sieben Tage, 20 Stunden und 49 Sekunden blieb er im All. Am Montag (13. Februar) feiert Jähn nun seinen 80. Geburtstag – ganz privat.

Sigmund Jähn (M.) im September 1978 in Berlin
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Für größere Aktionen fehle ihm einfach die Zeit und auch die Stimmung, teilte der einstige Kosmonaut mit. Dabei ist er nach wie vor sehr populär: Nach seiner Rückkehr aus dem All wurde er in der DDR als Held gefeiert, und auch bei seinen seltenen öffentlichen Auftritten heute ist er vor allem in Ostdeutschland regelmäßig von Autogrammsammlern umlagert.

Sigmund Jähn
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125 Mal umkreiste Jähn den Planeten. An Bord erledigte er seinerzeit zahlreiche Experimente und machte Aufnahmen von der Erde mit der Multispektral-Fotokamera MKF-6 aus Jena. Er hatte auch den Status eines „Angestellten der Deutschen Post im Weltraum“: Mit einer für das All geeigneten Apparatur stempelte er Sonderpostwertzeichen ab.

Sigmund Jähn und Waleri Bykowski
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Am 3. September 1978 landeten Jähn und Bykowski mit einer Kapsel wohlbehalten in der kasachischen Steppe. Der damals 41-Jährige behielt allerdings Schäden an der Wirbelsäule zurück, wie er Jahre später eingestand.

Ulf Merbold und Sigmund Jähn
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Erst 1983 folgte als zweiter Deutscher Ulf Merbold aus dem Westen. Er war als einziger Deutscher dreimal im All. Der Astronaut Merbold und der Kosmonaut Jähn sind seit Jahren befreundet.

Ulf Merbold
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Mehr als 30 Jahre ist es her, dass Ulf Merbold als erster Westdeutscher ins All flog. 1983 war das, beim Jungfernflug des europäischen Raumlabors „Spacelab“. Und er war der erste Ausländer an Bord eines US-Raumschiffs überhaupt. „Erleichtert und glücklich“ sei er damals gewesen, unter mehr als 2000 Bewerbern ausgewählt worden zu sein, sagt Merbold heute.

Gefragter Gesprächspartner
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Dass Ulf Merbold als einziger Deutscher dreimal im Weltall war und auch sonst mit Rekorden aufwarten kann, lässt ihn auch nach mehr als zehn Jahren im Ruhestand nicht los. Noch immer ist der deutsche Raumfahrer ein gefragter Gesprächspartner. Dabei mahnt er vor allem immer wieder die Europäer, sich stärker einzubringen bei der Erforschung des Alls – und den Weltraum nicht den Russen, Chinesen und US-Amerikanern zu überlassen.

Die Nachfolger der beiden ersten deutschen Raumfahrer sind längst zu gefragten Experten im Weltraum geworden, wie der folgende Überblick belegt.

Mit ihrer Initiative „Die Astronautin“ will Kessler nun einer anderen Frau die Chance geben. Die große Zahl geeigneter Bewerberinnen macht sie glücklich. Monatelang hat sie die Profile von Kampfpilotinnen, Ingenieurinnen oder Medizinerinnen gesichtet, darunter auch das der Geophysikerin Christiane Heinicke. Sie hat gerade für ein Nasa-Experiment mit fünf Wissenschaftlern ein Jahr lang das Leben auf dem Mars simuliert, abgeschieden auf einem Vulkan auf Hawaii.

Kein Raumfahrt-Hype in Deutschland

Am 14. September werden die Top-Kandidatinnen unter den mehr als 400 Bewerberinnen in Berlin präsentiert. Spätestens Ende September sollen dann die 90 Kandidatinnen feststehen, die eine Runde weiterkommen. Ab Oktober geht es für sie beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in die psychische und medizinische Testphase. Bis März 2017 soll eine Kandidatin feststehen – und die Finanzierung möglichst auch.

Vielleicht ist Nina Mehrkens dabei, die gerade ihre Promotion in Bioanorganischer Chemie abgeschlossen hat. In ihrer Freizeit ist die Heidelbergerin den Sternen schon ganz nah, sie macht astronomische Beobachtungen. Sie würde alles dafür geben, ein chemisches Experiment auf der ISS durchzuführen. Dafür hätte sie sich gern bei der Europäischen Raumfahrtagentur Esa beworben. Doch bei der letzten Ausschreibung war sie mitten im Studium. Und wann es die nächste gibt, steht noch nicht fest.

In Deutschland hat es einen Raumfahrt-Hype wie in den USA und der früheren Sowjetunion nie gegeben. Im Kalten Krieg war für die Weltmächte der Kampf ums All ideologisch aufgeladen. Die Frauenfrage handhabten sie unterschiedlich. Während die Russen bereits 1963 die Kosmonautin Valentina Tereschkowa in den Weltraum schossen, musste sich die erste Nasa-Astronautin Sally Ride noch 1978 die Frage gefallen lassen, ob 100 Tampons für einen Trip ins All wohl ausreichen. Doch auch die USA wandelten sich. Heute ist die Hälfte des Astronautenteams weiblich. Und bei der Kult-Serie „Star-Trek“ kommandierte ab 1995 Kathryn Janeway.

Sponsoren sollen die Ausbildung finanzieren
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