Cern-Chefin Fabiola Gianotti

Die neue Herrin der Weltmaschine

Berühmt wurde Fabiola Gianotti durch den Nachweis des Higgs-Teilchens. Nun übernimmt sie die Leitung des Kernforschungszentrums Cern – und wird Herrin über die komplizierteste Maschine der Welt, den Beschleuniger LHC.
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Fabiola Gianotti ist die erste Frau an der Spitze des europäischen Kernforschungszentrums Cern. Quelle: dpa

Fabiola Gianotti ist die erste Frau an der Spitze des europäischen Kernforschungszentrums Cern.

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GenfPiano oder Physik? Als Studentin stand Fabiola Gianotti vor dieser Wahl. Die Römerin entschied sich für die Wissenschaft – das Klavierspielen wurde zum geliebten Hobby, die Teilchenphysik zur beruflichen Passion. So virtuos wie sie Schubert auf ihrem Digitalklavier spielt, so souverän beherrscht die 54-Jährige im Europäischen Kernforschungszentrum Cern die komplexeste Maschinerie der Physik.

Anfang 2015 nehmen Forscher mit dem umfassend modernisierten Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) wieder die Jagd nach Higgs- und anderen Elementarteilchen auf. Gianotti wird sie in den nächsten Jahren als Generaldirektorin des Cern führen. Sie ist die erste Frau an der Spitze der vor 60 Jahren gegründeten Institution.

„Die Physik ist ein von männlichen Wesen dominiertes Gebiet“, schrieb das „Time“-Magazin 2012 in einem Artikel über Gianotti – und setzte sie auf Platz fünf seiner Liste der „Personen des Jahres“, mit Barack Obama an der Spitze. „Die allgemeine Annahme ist, dass eine Frau Hürden und Vorurteile überwinden muss, mit denen Männer nicht konfrontiert sind.“ Am Cern, wo viele Frauen in verantwortungsvollen Positionen arbeiten, sei das allerdings anders.

Die Nobelpreisträger 2013
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Physik

François Englert (Belgien) und Peter Higgs (GB) für ihre theoretische Entdeckung der Mechanismen, die notwendig sind für das Verständnis des Ursprungs der Masse subatomarer Teilchen.

Belgian physicist Francois Englert leaves his house with his wife Mira in Brussels, after he and Britain's Peter Higgs won the Nobel prize for physics
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Im Jahr 1964 erschienen von insgesamt sechs Wissenschaftlern Publikationen zu einem Elementarteilchen, nach dem tausende Physiker in den folgenden Jahrzehnten fieberhaft fahnden sollten: dem Higgs-Boson. Die erste Arbeit war von François Englert und seinem 2011 verstorbenen Kollegen Robert Brout, einige Wochen später und mit präziseren Angaben folgte Peter Higgs und schließlich noch zwei Amerikaner und ein weiterer Brite.

Das Higgs-Boson sorgt dafür, dass alle Objekte eine Masse haben. Es ist damit das absolut zentrale Elementarteilchen für das sogenannte Standardmodell – das Modell, das in der Physik etwa den Rang der Evolutionstheorie in der Biologie hat. Das Higgs-Teilchen wurde im Juli 2012 am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf entdeckt. Spätestens seitdem galten Higgs und Englert als Favoriten für den Physik-Nobelpreis.

Handout photo of theoretical physicist Francois Englert, won the 2013 Nobel prize for physics
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François Englert, der 1932 in Ettterbeek in Belgien zur Welt kam, promovierte 1995 in Brüssel in Physik. Dort war er auch von 1980 an Leiter der Abteilung für Theoretische Physik. 1998 wurde er emeritiert.

Nobel prize in physics
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Peter Higgs wurde 1929 in Newcastle upon Tyne im Nordosten von England als Sohn eines Toningenieurs der BBC geboren. Er promovierte 1954 in London. In Edinburgh schrieb er 1964 die zentrale Arbeit für seine Theorie, dort lehrte er auch bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996.

huGO-BildID: 33271361 (FILES) -- A file photo taken on July 6, 2012 shows British scientist Professor Peter Higgs posing after addressing a press con
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Der stille Forscher aus Schottland hatte den Trubel um die Preisvergabe - die Medien hatten ihn bereits seit Wochen als Nobelpreis-Favoriten gehandelt - offenbar geahnt und suchte am Tag der Verkündung im Oktober das Weite. Selbst das Nobelpreiskomitee konnte ihn zunächst nicht erreichen, um ihm die frohe Botschaft telefonisch zu überbringen. „Peter hat den Ruf, sehr scheu zu sein“, sagte sein Kollege Franz Muheim, Leiter des Instituts für Teilchen- und Nuklearphysik an der Universität Edinburgh. „Er hat beschlossen, sich zurückzuziehen.“

Seiner Freude über die Ehrung ließ der Forscher dann durch die Universität Edinburgh Ausdruck verleihen. „Ich bin überwältigt, diesen Preis zu bekommen und danke der Königlichen Akademie in Schweden“, ließ Higgs über die Universität mitteilen. „Ich möchte auch all denjenigen gratulieren, die zur Entdeckung dieses neuen Teilchens beigetragen haben.“

Organization for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW) wins
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Friedensnobelpreis 2013

Nach der EU geht der Friedensnobelpreis auch 2013 an eine Institution: Mit dem Preis an die Organisation zum Verbot von Chemiewaffen, der OPCW, will das Nobelkomitee „zur Zerstörung von Chemiewaffen beitragen“. Die Würdigung der Arbeit der Kontrolleure verband der Nobelkomitee-Vorsitzende mit Kritik an Washington und Moskau. „Manche Staaten sind immer noch keine OPCW-Mitglieder. Einige Staaten haben die Frist nicht beachtet, die für April 2012 festgesetzt war, ihre Chemiewaffen zu zerstören“.

Organization for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW) wins
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Zuletzt waren OPCW-Mitarbeiter vor allem in Syrien aktiv, wo sie nach dem verheerenden Giftgaseinsatz im August 2013 die Bestände Assads erfassen und zerstören. Die OPCW hat bereits mehr als 5000 Inspektionen in 86 Ländern vorgenommen. Nach eigenen Angaben hat sie 100 Prozent der Arsenale, die von den Ländern offiziell gemeldet wurden, überprüft und inventarisiert. Nach der OPCW-Statistik wurden inzwischen 81,1 Prozent der gemeldeten Arsenale nachweislich zerstört.

Damals war Gianotti ins internationale Rampenlicht getreten. Als gewählte Sprecherin des ATLAS-Experiments am LHC und damit als „prima inter pares“, als Erste unter Gleichen eines Entdeckerteams von gut 3000 Forschern und Technikern aus 38 Ländern, verkündete und erläuterte sie den bislang herausragendsten Erfolg des Cern: die Entdeckung des Higgs-Boson, eines bis dahin nur theoretisch postulierten Puzzlestücks im Standardmodell der Materie.

Es ist jener von den Forschern Peter Higgs und François Englert vorhergesagte Winzling, der anderen Elementarteilchen erst die für ihre Existenz erforderliche Masse verleiht und deshalb auch immer wieder „Gottesteilchen“ genannt wird. Nachdem ihre Theorie am Cern bewiesen werden konnte, erhielten Higgs und Englert 2013 den Physik-Nobelpreis.

Am Nachweis mit Hilfe des LHC, des größten Teilchenbeschleunigers der Welt, war Gianotti an der Spitze des ATLAS-Detektorteams maßgeblich beteiligt. Dass die Physikerin und Musikliebhaberin Mitte Dezember einstimmig vom Cern-Verwaltungsrat zur Generaldirektorin gewählt wurde, lag an ihrer wissenschaftlichen Leistung sowie der erwiesenen Fähigkeit, ein internationales Team zu führen.

Eine Wiege der Innovation
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