Chemie-Nobelpreis 2008
Schweine mit Grünstich

Die Entdeckung des grün fluoreszierende Protein GFP, für die die diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger Shimomura, Chalfie und Tsien geehrt werden, lässt sich in seiner Bedeutung mit der Entwicklung des Mikorskops vergleichen. Die Technik ist für Biologie und Medizin von unschätzbarem Wert.

dpa HAMBURG. Grün strahlende Schweine, Mäuse und Würmer - solche Bilder gehen seit Jahren um die Welt. Doch die diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger haben weit mehr geschaffen als solche farbenfrohen Tierchen. Die US-Forscher Osamu Shimomura, Martin Chalfie und Roger Tsien entdeckten das grün fluoreszierende Protein einer Qualle und fanden Methoden, nahezu alle Substanzen in den Lebewesen damit zu markieren.

Das Protein lässt sich sehr gut an andere Moleküle andocken, deren Funktion dann erforscht werden kann. Dadurch können Mediziner Aidsviren ebenso beobachten wie die Ausbreitung von Krebszellen oder das Nervenwachstum im Gehirn. Die Bedeutung der Arbeit vergleicht das Nobelpreis-Komitee mit der Erfindung des Mikroskops.

„Die Technik ist von unschätzbarem Wert für die Biologie und Medizin - vor allem für die Grundlagenforschung“, betont auch der Zellbiologe Manfred Schliwa von der Ludwig-Maximilians- Universität München. Er hatte drei Jahre mit Tsien zusammengearbeitet. „Es gibt tausende von Molekülen, die mit Hilfe des Proteins markiert worden sind.“ Zuvor seien Forscher nur in der Lage gewesen, Substanzen in toten Zellen zu markieren, doch nun sei zu sehen, wie sich ein Molekül in der lebenden Zelle bewegt.

Das hat natürlich große Auswirkungen auf die medizinische Forschung: So haben Heidelberger Forscher Aidsviren mit dem Protein markiert, ohne die Eigenschaften der Erreger zu verändern. Sie beobachteten etwa, wie die Viren in die Zellen eintraten. „Es lassen sich aber nicht nur einzelne Zellen beobachten, sondern komplette lebende Organismen - grün fluoreszierende Mäuse zum Beispiel“, ergänzt Roland Eils vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Dies sei zum Beispiel wichtig dafür, Tumore über Wochen und Monate hinweg direkt im lebenden Organismus zu untersuchen. „Früher musste jeweils ein Tier getötet werden, um einen Tumor in einem bestimmten Wachstumsstadium anzusehen“, erläutert Eils. Nun sei es möglich, den Tumor einer narkotisierten Maus live mit dem Mikroskop zu beobachten - und das immer wieder über mehrere Tage hinweg. Auf diese Weise lasse sich das Tumorwachstum nicht nur live beobachten, sondern man könne auch direkt sehen, ob eine Therapie anschlage. „Das Verständnis des Tumorwachstums wurde unglaublich vereinfacht.“

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