Chemie
Nobelpreis für amerikanische Zellforscher

Der Chemie-Nobelpreis 2012 geht an die US-Forscher Robert Lefkowitz und Brian Kobilka. Die beiden Wissenschaftler erhalten den Preis für ihre Erforschung von Zellrezeptoren, die den Weg zu neuen Medikamenten ebnete.
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StockholmDer Chemie-Nobelpreis geht in diesem Jahr an Robert J. Lefkowitz und Brian K. Kobilka. Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm zeichnet die beiden amerikanischen Wissenschaftler für ihre Erforschung sogenannter G-Protein-gekoppelter Rezeptoren aus. Die Forschungsergebnisse sind heute aus der Entwicklung neuer Medikamente gegen Bluthochdruck, Migräne und anderer Krankheiten nicht mehr wegzudenken.

Die beiden Zellforscher untersuchten bestimmte Andockstellen in Zellen, die Signale aufnehmen: Die wichtige Gruppe der sogenannten G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCR) ist beispielsweise dafür zuständig, dass Licht vom Auge verarbeitet wird oder dass das Hormon Adrenalin auf die Zellen wirken kann. Bis zu der Entdeckung der beiden Amerikaner wusste man nicht, wie die Zellen im menschlichen Körper auf solche Signale reagieren.

Nach Aussagen von Akademie-Mitglied Gunnar von Heine basieren heute etwa ein Drittel aller Medikamente auf den Forschungsergebnissen der beiden Amerikaner. Auf Grundlage ihrer Arbeit könnten passgenauere Arzneien mit weniger Nebenwirkungen entwickelt werden. „Alle Volkskrankheiten werden behandelt, in dem man diese Rezeptoren aktiviert oder blockiert“, so Thomas Benzing vom Zentrum für Molekulare Medizin der Universität Köln. Auf diese Weise funktionierten zum Beispiel Blutdruckmittel, Medikamente gegen Herzerkrankungen und Asthma sowie manche Psychopharmaka, erläutert der Experte.

Der 69-jährige Lefkowitz ist Professor für Biomedizin und Biochemie an der Duke University im US-Bundesstaat North Carolina. Er hatte 1968 begonnen, Zellrezeptoren mit radioaktiver Strahlung sichtbar zu machen. Dabei entdeckte er mehrere Rezeptor-Arten, darunter einen Rezeptor für Adrenalin. Mit seinen Mitarbeitern extrahierte Lefkowitz diesen Rezeptor und erforschte seine Wirkungsweise.

In den 80er Jahren begann dann Kobilka, der mittlerweile molekulare und Zellphysiologie an der Medizinischen Fakultät der Stanford University in Kalifornien lehrt, zu versuchen, das Erbgut dieses Rezeptors in dem riesigen menschlichen Genom zu identifizieren. Er hatte Erfolg, und die Forscher stellten fest, dass das Erbgut dem eines Rezeptoren im Auge ähnelt, der Licht aufnimmt. So kamen die Wissenschaftler darauf, dass es eine ganze Familie von Rezeptoren mit ähnlicher Erscheinung und Wirkweise gibt - die G-Protein-gekoppelten Rezeptoren.

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