Chemische Belastung
Etwas DDT im Blut

Umweltorganisationen wie Greenpeace machen mit den Chemikalien im Körper Stimmung, doch in der Wissenschaft sind die Auswirkungen chemischer Belastung nach wie vor umstritten.

DÜSSELDORF. "Ich bin sicher, auch in Ihrem Blut befinden sich gefährliche Chemikalien", sagt Ninja Reineke vom World Wide Fund For Nature (WWF). Die wenigsten lässt so eine Behauptung kalt. Bestürzt und schockiert reagieren auch deutsche Europa-Abgeordnete, nachdem in ihrem Blut im Rahmen einer WWF-Kampagne durchschnittlich 30 bis 40 Chemikalien entdeckt wurden. Viele gehen mit ihrem Blutbild an die Öffentlichkeit - schließlich tobt der Streit um die EU-Chemikalienpolitik. So auch Hiltrud Breyer von den Grünen: "Mein Testergebnis zeigt, dass ich trotz bewusster Lebensführung dem Chemierisiko nicht ausweichen kann."

Dabei sind die Politiker keineswegs besonders stark belastet. In diesem Herbst wies der WWF in einer Untersuchung mehrerer Familien bis zu 74 Chemikalien im Körper der einzelnen Angehörigen nach. Über die Plazenta dringen sie sogar in die Körper der Ungeborenen vor. "Das sind nicht irgendwelche Stoffe, sondern gefährliche Chemikalien, die teilweise Krebs oder Nervenerkrankungen hervorrufen. Wir haben das verbotene Pflanzenschutzmittel DDT und die verbotenen Polychlorierten Biphenyle (PCB) gefunden. Wir konnten bromierte Flammschutzmittel nachweisen", sagt Reineke.

Namhafte Umweltmediziner, allen voran die Kommission für Humanbiomonitoring beim Umweltbundesamt, halten dagegen die Ergebnisse des WWF für "normal und nicht neu". "Der Mensch ist immer und überall Chemikalien ausgesetzt. Solchen, die er selbst herstellt, und solchen, die auch in der Natur vorkommen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Substanzen im Blut jedes Menschen nachweisen lassen", kommentiert Jürgen Angerer, Professor am Institut und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Erlangen und Mitglied der Kommission.

Der angenehme Duft des Waldes stammt etwa von Terpenen, die aus dem Holz ausdampfen. Mit jedem Atemzug im Grünen dringen mehr dieser Geruchsstoffe in den Körper. Sie werden auch künstlich hergestellt und zum Beispiel in Holzlasuren verwendet.

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