Forschung + Innovation
„Chemisches Kondom“ blockiert Aidsvirus

Ein neues Vaginal-Gel hat im Tierversuch das Aidsvirus erfolgreich am Eindringen in die Immunzellen von Affen gehindert. Dieses „chemische Kondom“, das in die Scheide eingeführt wird, schützte Rhesusaffenweibchen bis zu sechs Stunden vor einer Infektion.

dpa NEW YORK/JOHANNESBURG. Ein neues Vaginal-Gel hat im Tierversuch das Aidsvirus erfolgreich am Eindringen in die Immunzellen von Affen gehindert. Dieses „chemische Kondom“, das in die Scheide eingeführt wird, schützte Rhesusaffenweibchen bis zu sechs Stunden vor einer Infektion.

Das berichtet ein Team um John Moore von der Cornell-Universität in Ithaca (US-Staat New York) im Wissenschaftsjournal „Nature“ (DOI: 10.1 038/nature04055) vom Montag. Im Südlichen Afrika hat derweil ein Großversuch begonnen, bei dem rund 10 000 Frauen in Südafrika, Uganda, Tansania und Sambia ein anderes derartiges Mikrobizid vier Jahre lang testen sollen.

Das Präparat PRO 2000 der US-Pharmafirma Indevus hatte sich ebenfalls in Tierversuchen als vielversprechend erwiesen. Dabei half es auch, andere sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien, Herpes und Gonorrhö zu verhindern. Die Frauen in dem Großversuch sind gehalten, zusätzlich Kondome zu benutzen. Federführend bei dem von Großbritannien mit 42 Mill. Pfund finanzierten Test ist Johannesburgs Witwatersrand-Universität. Das Südliche Afrika hat weltweit die höchste Aidsrate. Allein in Südafrika gelten rund sechs Millionen Menschen als HIV-positiv.

Da viele Männer immer noch Kondome beim Sex ablehnen, suchen Mediziner in aller Welt seit längerem nach Mikrobiziden, die Frauen ohne das Wissen von Männern anwenden können. Die chemischen Mittel, die Frauen als Gel, Flüssigkeit oder Schaum in die Scheide einführen können, müssen dafür unsichtbar und geruchslos sein.

Das von Moore und Kollegen getestete Mikrobizid besteht aus verschiedenen kleinen Molekülen, die das Aidsvirus daran hindern, sich Zugang zu den Immunzellen in der Schleimhaut zu verschaffen. Dem Aidserreger gelingt es normalerweise, sich über den so genannten Ccr5-Rezeptor in eine Zelle einzuschmuggeln. Das neue Mikrobizid blockiert mit einem der kleinen Moleküle diesen Rezeptor. Ein zweites Molekül soll das Protein gp120 auf der Virushülle unschädlich machen, mit dem sich der Erreger an den Zellen festhakt. Eine dritte Substanz hindert das Virus am Verschmelzen mit den menschlichen Immunzellen.

Das Team um Moore testete das Mikrobizid in verschiedenen Kombinationen und Dosierungen an Rhesusäffchen. Das Gel erwies sich dabei als hochgradig wirksam. So bleiben acht von zehn Tieren, die vor dem Kontakt mit dem Virus eine hohe Dosis Mikrobizid bekamen, geschützt. Ein Vorteil der Wirkstoffkombination aus kleinen Molekülen sei, dass die Kosten erschwinglich gehalten werden könnten, kommentiert „Nature“.

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