China
Die sanfte Seite des Drachen

Konfuzius war im kommunistischen China bis vor wenigen Jahren verfehmt. Nun versucht sich die Großmacht mit Instituten, die seinen Namen tragen, im Ausland sympathisch und friedliebend zu präsentieren.

Der Weg nach China führt durch ein schmiedeeisernes Tor und einen sommerlich blühenden Garten im Berliner Stadtteil Dahlem. In einem Gebäude der Freien Universität (FU) residiert das erste Konfuzius-Institut Deutschlands. "Xue bu ru ji, you kong shi zhi - Lernt, als hättet ihr Angst, nichts zu erfassen, als fürchtetet ihr, Wissen zu verlieren" - ein forderndes Wort des legendären Denkers (551 - 479 v. Chr.) ist dem umfangreichen Programm des Instituts vorangestellt. Umgesetzt wird dieses Motto aber auf sanfte Weise: Berliner Schüler erlernen unter Anleitung chinesischer Gastdozenten in Schnupperkursen die ersten Schriftzeichen, neugierige Hausfrauen üben sich bei grünem Tee mit dem Tuschepinsel, Geschäftsleute bereiten sich auf den Umgang mit chinesischen Partnern vor. Vor den Olympischen Spielen kann man lernen, wie mit dem Ausruf "Jia You" Sportler auf Chinesisch anzufeuern sind.

"Wir sehen uns in der Tradition von Einrichtungen wie dem deutschen Goethe-Institut oder dem British Council", sagt Dagmar Yü-Dembski. Die Publizistin, Tochter eines chinesischen Vaters und einer deutschen Mutter, leitet das Institut seit der Gründung vor zwei Jahren als Geschäftsführerin. Mit Erfolg: Bis zu 300 Interessierte schreiben sich pro Jahr für die kostenpflichtigen Sprach- und Zeichenkurse ein, der 100 Menschen fassende Saal, in dem Experten über Themen wie chinesische Medizin oder das China-Bild der Deutschen referieren, ist oft bis auf den letzten Platz besetzt. Kampfsport-Vorführungen lockten zur langen Nacht der Wissenschaften im Juni 800 Besucher nach Dahlem.

Die vor wenigen Jahren gestartete chinesische Kulturoffensive, in deren Verlauf weltweit bislang 230 Konfuzius-Institute gegründet wurden, sucht in der Geschichte des einst abgeschlossenen Reiches ihresgleichen. Was den internationalen Kulturaustausch betreffe, habe China ein "sehr großes Defizit aufzuholen", erklärte 2006 Zhao Qicheng, ehemaliger Minister im Pressebüro des mächtigen Staatsrats. Peking hat erkannt, dass negative Schlagzeilen über Billigfabriken oder Copyright-Verletzungen seiner Entwicklung schaden können. Das Wirtschaftswunderland mit den zweistelligen Wachstumsraten investiert deshalb im Ausland nicht nur Milliarden in den Aufkauf von Unternehmen, sondern stellt Finanzmittel für Entwicklungshilfeprojekte bereit, wirbt um Touristen und für seine jahrtausendealte Kultur. Wer das traditionelle Harmoniebedürfnis der Chinesen kennengelernt habe, könne nicht mehr ernsthaft von der viel zitierten "chinesischen Bedrohung" sprechen, so die Hoffnung.

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