Chlor
Unverzichtbarer Stromfresser

Ohne Chlor kommt die Chemiebranche nicht aus. Trotz hoher Stromkosten werden daher weiter neue Chlor-Anlagen gebaut – selbst in Deutschland.
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FrankfurtLohnt es sich, stromintensive Produktionsanlagen in Deutschland zu bauen? Angesichts der jüngsten energiepolitischen Entscheidungen erscheint die Idee geradezu abwegig. Ein Investitionsprojekt des niederländischen Chemiekonzerns Akzo zeigt aber, dass ein derart pauschales Urteil in die Irre führt.

Für rund 140 Millionen Euro will Akzo in den kommenden beiden Jahren im Industriepark Hoechst nahe Frankfurt eine Anlage errichten, die sich durch besonders hohen Strombedarf auszeichnet. Die neue Chlorfabrik, die bisher größte Einzelinvestition in der Geschichte des niederländischen Konzerns, wird mit einem Stromkostenanteil von etwa 35 Prozent operieren.

Die Stromkosten alleine sind für Akzo aber nicht ausschlaggebend. Dass die Entscheidung zugunsten Frankfurts ausgefallen ist, ergibt sich aus den Verflechtungen der Chemiebranche und den Besonderheiten von Chlor: Das Element ist unverzichtbar für die Chemie und zugleich schwer zu transportieren. „Wenn die Chemieindustrie in Europa bleibt, wird sie auch in Zukunft Chlor benötigen“, sagt Knut Schwalenberg, der den Akzo-Unternehmensbereich Industriechemikalien leitet.

Chlor, in Reinform ein grünliches Gas, zeichnet sich durch hohe Reaktionsfähigkeit aus und ist daher für die Chemie ein ebenso gefährlicher wie wertvoller Ausgangsstoff. Bekanntestes Einsatzgebiet im Alltag ist die Desinfektion von Trinkwasser oder Schwimmbädern.

Kommerziell bedeutender ist dagegen der Einsatz in der Chemie. Mehr als die Hälfte aller Chemieprodukte basieren auf Chlor. Unter anderem wird es für die Herstellung von Kunststoffen wie PVC oder Polyurethane sowie für den Löwenanteil aller Pharmawirkstoffe benötigt.

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