Christoph Westphal im Gespräch: „Ich denke ständig über neue Unternehmen nach“

Christoph Westphal im Gespräch
„Ich denke ständig über neue Unternehmen nach“

Zehn Biotech-Unternehmen hat Christoph Westphal bereits gegründet, weitere werden wohl folgen. Im Interview verrät der Deutsch-Amerikaner unter anderem, warum er Biotech-Gründungen in Deutschland für problematisch hält.
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In der Biotech-Branche ist die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns groß, viele Ideen erweisen sich eben doch nicht als marktfähig. Wie geht man damit als Firmengründer um?

Irgendwas geht immer schief, deshalb muss das Ziel eines Unternehmers sein, verschiedene, möglichst unabhängige Möglichkeiten zu haben, um zu „gewinnen“. Bei Alnylam konnte man strategisch gewinnen, weil die großen Pharmafirmen für den Zugang zur RNA-Interferenz-Technologie, mit der man Gene stilllegen kann, Milliarden investiert haben.

Oder man konnte dadurch punkten, dass Alnylam selbst vielleicht ein Medikament entwickelt, was jetzt, nach zehn Jahren, tatsächlich so aussieht. Oder man konnte durch die Patente und deren Wert gewinnen. GlaxoSmithKline interessierte sich beispielsweise vor allem für das Patentportfolio von Sirtris.

... und hat die Firma 2008 für über 700 Millionen Dollar gekauft und inzwischen in die GSK-Labors in Philadelphia integriert. Wann spielen Patente in der Firmengründung eine Rolle?

Ganz am Anfang. Das Wichtigste sind die Leute, das Team von Experten, die Wissenschaft und ob die Produkte Aussicht auf Erfolg haben, aber eben auch, ob man die wichtigsten Patente hat, um die herum man eine Firma aufbauen.

Bei Alnylam haben wir die Patente erst nach und nach zusammengekauft und mussten auch Deals eingehen. Das kann lange dauern und auch viel Geld kosten. Heute ist es etwas einfacher und günstiger geworden, ein Patentportfolio zusammenzustellen, weil es viel weniger Akteure gibt, die in diesem Bereich investieren.

Macht es Investoren nervös, wenn es Diskussionen um die wissenschaftliche Grundlage der Firma gibt?

Das ist kein Thema für die Investoren, solange Du ihnen Geld verdienst. Aber ich will am Ende Medikamente entwickeln und auf den Markt bringen, nicht nur Geld für Investoren verdienen.

Von 20 Produktkandidaten, die in der ersten klinischen Phase am Menschen getestet werden, kommt in der Regel nur eines auf den Markt. Immer wenn man etwas wirklich Neues macht, dann gibt es immer eine Zeitlang Enthusiasmus aber oft auch eine skeptische Phase. Natürlich fragen Investoren, was aus dem einen oder anderen Projekt geworden ist. Und wenn man Geld verloren hat, dann wird es schwer.

Haben Sie jemals daran gedacht, eine Firma in Deutschland zu gründen?

Die Wissenschaft ist in Deutschland Weltklasse. Meines Erachtens fehlt es an Kapital und an Märkten für Biotechfirmen. Man kann in Deutschland keinen Börsengang machen mit einer Cash-flow-negativen Biotechfirma. Es gibt nur einen Standort in der Welt, wo man solche Firmen an den Markt bringen kann und das ist der Nasdaq in Amerika.

Wann wird es die nächste Westphal-Firmengründung geben?

Ich denke ständig über neue Ideen, neue Unternehmen nach. Aber derzeit konzentriere ich mich auf Verastem. Wenn ich noch eine Biotechfirma mache, dann vielleicht in anderthalb Jahren.

Herr Westphal, wir danken für das Gespräch.

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