Citizen Science Begehrtes Wissen der Hobby-Forscher

Sie messen Feinstaub in der Stadt oder suchen nach Sternen am Himmel: Bürgerwissenschaftler. Manche von ihnen sind gefragte Experten auf ihrem Gebiet.
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Hobby-Astronom Rolf Apitzsch in seiner Sternenwarte. Für das Geld zweier Mittelklassewagen setzte Apitzsch sich vor zwanzig Jahren ein Observatorium in den Garten. Quelle: dpa
Private Sternwarte

Hobby-Astronom Rolf Apitzsch in seiner Sternenwarte. Für das Geld zweier Mittelklassewagen setzte Apitzsch sich vor zwanzig Jahren ein Observatorium in den Garten.

(Foto: dpa)

WildbergSobald es Abend wird, ist Rolf Apitzsch auf himmlischer Jagd. Mit einem Teleskop geht er in seine selbstgebaute Sternwarte, zielt in den Nachthimmel. Hunderte Bilder schießt er dann, und wenn er Glück hat, sind Asteroiden drauf – kleine Gesteinsbrocken, Millionen von Kilometern entfernt.#

Rolf Apitzsch ist Hobby-Astronom, sein Geld hat der 74-Jährige als Computertechniker verdient. Seit er im Ruhestand ist, betreibt er jedoch Astronomie auf einem Niveau, das ihn für Außenstehende wie einen Profi wirken lässt. Er ist einer von zahlreichen Hobbyforschern in Deutschland – und manche sind auf ihrem Gebiet sehr erfolgreich.

Für das Geld zweier Mittelklassewagen setzte Apitzsch sich vor zwanzig Jahren ein Observatorium in den Garten. Seitdem hat er 505 Asteroiden entdeckt, 72 sind schon offiziell bei der Internationalen Astronomischen Union (IAU) registriert, 20 davon von ihm persönlich getauft. So kommt es, dass zwischen all den Sternen auch seine Frau und sein Zahnarzt verewigt sind.

Die Spur führt ins All
Spur ins All
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Eine leuchtende Spur zeichnet die Atlas-Rakete nach ihrem Start von Cape Canaveral in Florida. Die Rakete bringt einen unbemannten Raumtransporter mit Nachschub für die Raumstation ISS auf den Weg. Obwohl solche Versorgungsflüge längst Routine sind, geht gerade von nächtlichen Raketenstarts immer noch eine große Faszination aus.

Schallmauer durchbrochen
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Mit einer speziellen Fototechnik, der Schlierenfotografie, wurde diese Aufnahme gemacht. Sie macht die Schockwellen sichtbar, die auftreten, wenn ein Überschalljet die Schallmauer durchbricht.

Moderne Kunst 1
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Kein abstraktes Gemälde, sondern Riffs vor der Küste der Bahamas zeigt dieses Bild, das Astronauten der Raumstation ISS machten. Bei den kräftigen blauen Linien zwischen den Riffs handelt es sich um Priele - Wasserläufe, die ihr Entstehen den Gezeiten verdanken.

Moderne Kunst 2
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Auch dieses abstrakte "Gemälde" wurde von der ISS ausgemacht. Die Astronauten fotografierten ein Gebiet in Australien, über das die Raumstation gerade hinweg zog.

Selfie im All
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"Warum eigentlich immer nur die Erde fotografieren?" dachte sich US-Astronaut Scott Kelly und richtete während eines Weltraumspaziergangs seine Kamera mal auf sich selbst.

Rücksturz zur Erde
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Friedlich schwebt die Sojus-Raumkapsel am Fallschirm zurück zur Erde. Mit an Bord: Die Raumfahrer Scott Kelly und Michail Kornienko, die mehr als ein Jahr auf der Raumstation ISS verbracht hatten.

Aufbruch ins All
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In die andere Richtung ging es im Juni 1983 für Sally Ride, die an Bord des Spaceshuttles Challenger als erste US-Amerikanerin ins All flog.

Wie viele Hobby-Forscher es in Deutschland gibt, lässt sich kaum sagen. Mehrere Hunderttausend dürften es aber sein. Allein bei der Aktion „Stunde der Wintervögel“ des Naturschutzbundes (Nabu) machten Anfang Januar rund 125.000 Menschen mit und zählten mehr als drei Millionen Vögel in Gärten und Parks.

„Damit wir auf bundesweit valide Daten kommen können, brauchen wir die Hobby-Forscher. Ohne sie würde das nicht gehen“, sagt Nabu-Vogelschutzreferent Eric Neuling. Projekte wie diese werden oft unter der Bezeichnung „Citizen Science“ gefasst. Wissenschaft ist dabei kein Privileg der Profis mehr. Jeder kann mitmachen, egal ob beim Hasenzählen, Feinstaubmessen oder Transkribieren historischer Dokumente.

Besonders seit dem Smartphone-Zeitalter nehmen die Möglichkeiten für Hobby-Forscher ständig zu. Allein auf der Internet-Plattformen „Bürger schaffen Wissen“ werden derzeit etwa 70 Forschungsprojekte angeboten.

Erfolgreiche Hobby-Forscher wie Apitzsch zeichnen sich durch ihr explizites Fachwissen aus, das sie sich meist selbst und aus reiner Neugier angeeignet haben. Nach der Zahl der entdeckten Asteroiden belegt Sternengucker Apitzsch in Deutschland mittlerweile Platz acht in der Rangliste, bei den hobbybetriebenen Observatorien landet er sogar auf Platz zwei.

Das Wissen der Laien wird noch immer unterschätzt
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