Color-Management
Viel Mühe bis die Farbe stimmt

Nicht nur in der Druckindustrie ist Farbtreue ein wichtiges Thema. Die meisten Gegenstände sind jedoch aus verschiedenen Materialien hergestellt. Das Problem dabei: Wie schafft man es nun, dass die Farben trotzdem zusammen passen?

HB DÜSSELDORF. Ein BH besteht bei einfachen Modellen aus 20 Einzelteilen, bei anspruchsvollen Designs sind es über 40. Geliefert werden diese Komponenten, wie Textilien, Kunststoffe und lackierte Metalle von zehn oder mehr Lieferanten. Wie schaffen es die Dessous-Hersteller, dass ein rosa BH auch wirklich rosa ist und nicht eine wilde Sammlung verschiedener Rottöne aufweist? Die Technologie dahinter nennt man Color-Management. Hierbei werden durch spezielle Messverfahren, komplexe Algorithmen und Computerunterstützung die Farbtreue vom Design bis zum Endprodukt sichergestellt; Fachleute sprechen hier von Farbkommunikation und Prozessautomation. Kleidungsstücke sind in diesem Umfeld einfachere Fälle, deshalb ist in der Textilindustrie das Farbmanagement auch relativ weit fortgeschritten. „Viel komplexer wird es in der Autoindustrie“, berichtet Walter Franz, Vertriebschef der schweizer Datacolor AG, die sich auf Farbmanagement spezialisiert hat.

Vor Jahren gingen Autohersteller wie zum Beispiel VW dazu über, Glasschiebedächer in ihre Modelle einzubauen. Der Grund waren Farbprobleme. Von den Zulieferern wurden die Schiebedächer vorlackiert geliefert. Zu oft kam es vor, dass die Farben nicht zusammen passten oder bei unterschiedlichen Beleuchtungen zu große Abweichungen auftraten. Reklamationen beugte man durch den Einsatz von Glasdächern vor, von denen keine Übereinstimmung mit der Wagenfarbe erwartet wurde. „Ein Problem, dass man heute im Griff hat“, erklärt Fachmann Franz. „Sonst gäbe es auch keinen Stoßstangen, die in Wagenfarbe lackiert sind.“ Die Zulieferer liefern diese Teile nämlich ebenfalls vorlackiert.

Die wirkliche Herausforderung für Hersteller und Zulieferer ist der Innenraum eines Fahrzeuges. Damit Daimler, Audi, BMW und Co. edel aussehen, muss die Innenausstattung den Erwartungen anspruchsvoller Kunden genügen. Farbdesigner stecken deshalb viel Arbeit in die Abstimmung des Interieurs. Sitze, Lenkrad, Armaturenbrett, Türen, Verkleidungen, Teppiche etc. sollen einen harmonischen Eindruck vermitteln. Dabei spielen die unterschiedlichen Oberflächen von Kunststoff, Leder, Stoff und Lack den Designern ganz spezielle Streiche. Die gleiche Farbe wirkt auf einem Stück Plastik anders als ein damit gefärbter Stoff oder Leder. Üblicherweise werden für die Farbabstimmung der einzelnen Komponenten lange Versuchsreihen durchgeführt. Die Zulieferer erstellen zahlreiche Muster, bis die Designer mit dem Farbenspiel zufrieden sind. Durch den Einsatz spezieller Softwarepakete können Designer und Produktentwickler aber schon am Bildschirm die Farbwirkungen auf den jeweiligen Oberflächen digital abstimmen. Bereits im Vorfeld erkennt der Entwickler dadurch schon Disharmonien.

Damit ist der Ausleseprozess allerdings nicht beendet. Denn der Farbeindruck eines Materials ändert sich mit dem Licht. „In hellen Sonneschein wirken Farben anders als im warmen abendlichen Dämmerlicht oder unter den kalten Neonlampen einer Tankstelle“, beschreibt Franz die Probleme der Farbgurus. Fatalerweise neigen verschieden Materialien dazu, ihr Aussehen unter verschiedenen Lichtbedingungen nicht identisch zu ändern. Diese Eigenschaft bezeichnen die Fachleute als Metamerie. „Passt der Stoff des Sitzbezugs im Sonnenlicht zum Armaturenbrett, kann an der Tankstelle die Harmonie der Farben gestört sein.“ weiß Experte Walter Franz.

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