Columbus
Warten in der Abflughalle

Das europäische ISS-Modul „Columbus" soll 2007 abheben – sofern das Shuttle problemlos fliegt. Die Spannung bei der US-Weltraumbehörde Nasa ist enorm hoch. Es steht viel auf dem Spiel.

CAPE CANAVERAL. Wenn es einmal im Orbit ist, rund 400 Kilometer über der Erde, könnte es zu einem Herzstück der Internationalen Raumstation (ISS) werden: Columbus, das Weltraumlabor. Das Experimentier-Modul wird dann von allen Komponenten an Bord der ISS am deutlichsten die deutsche Handschrift tragen. 51 Prozent des Inputs für das 13 Tonnen schwere und 880 Mill. Euro teure Modul stammen aus Deutschland. Zehn Jahre lang könnte es im All bleiben und dabei als zentrale Station für Versuche in der Schwerelosigkeit dienen. Vorausgesetzt, das amerikanische Space-Shuttle-Programm geht weiter, denn der US-Raumgleiter ist das einzige Transportvehikel für Columbus.

Die Unsicherheit bleibt: Falls der nächste Shuttle-Start zur ISS nicht wie geplant stattfindet, könnte das generelle Interesse der Beteiligten an der noch unvollendeten Raumstation in Frage stehen. Am Nachmittag des 1. Juli soll das Shuttle mit dem deutschen Astronauten Thomas Reiter an Bord von Cape Canaveral ins All geschossen werden. Sollte es an diesem Tag nicht klappen, bleiben noch knapp zwei Wochen, um den Start nachzuholen. Danach, so sagen die Meteorologen, schließe sich das Wetterfenster wieder. Es wird erst der zweite Shuttle-Flug sein seit dem Columbia-Absturz vor drei Jahren. Die Spannung bei der US-Weltraumbehörde Nasa ist deshalb enorm hoch. Es steht viel auf dem Spiel.

Durch das Scheitern der Columbia im Februar 2003, die beim Eintritt in die Atmosphäre verglühte, kam das gesamte Shuttle-Programm ins Rutschen. Nicht nur technische Fragen, auch grundsätzliche Zweifel kamen auf, ob der Transport von Material und Menschen in einem Raumschiff zeitgemäß sei. Aus Sicherheitsgründen appellierten manche für die Rückkehr zu einem Verfahren, das die Russen praktizieren: Kosmonauten reisen mit der Sojus, Material fliegt unbemannt mit der Progress. Überspitzt formuliert könnte man auch sagen: Zurück zu Apollo.

Dies gilt sogar im doppelten Sinne. Denn das Apollo-Programm, das in den 1960er und 70er Jahren die Mondlandungen ermöglichte, steht wieder hoch im Kurs. Präsident George Bush hat die Mond- und Mars-Missionen ausdrücklich zur Chefsache erklärt und Milliarden dafür freigegeben. Nach der Columbia-Katastrophe sollte damit der Raumfahrt frischer Wind verliehen werden. Insbesondere die Europäer sahen damit das gesamte ISS-Projekt in Gefahr. Erst ein Brief von US-Außenministerin Condoleezza Rice zu Beginn des Jahres beruhigte die Gemüter etwas. Darin bekräftigte sie den festen Willen der USA, das Shuttle-Programm fortzuführen. Bis 2010 stehen noch 16 Flüge auf dem Plan.

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