Container in Großraumbüros
Studenten leben in der Box

Sechs Boxen stehen in einem ehemaligen Großraumbüro, jede hat eine Grundfläche von acht Quadratmetern. In jeder Kiste stehen ein Bett, ein Schreibtisch, Schrank, Regal und eine Garderobe. Es gibt einen Fernsehanschluss, W-LAN und Telefonleitung.

HB KÖLN. Die Boxen sind Studentenzimmer, das Großraumbüro eine Sechser-WG. „Students-Loft“ heißt das neue Wohnkonzept, das in der vorigen Woche auf der Kölner Möbelmesse vorgestellt wurde: Leer stehende Gewerbeimmobilien mit großen Räumen können mit den Boxen schnell und kostengünstig in Studentenwohnheime umgewandelt werden.

Die Idee stammt aus einer Diplomarbeit der beiden Stuttgarter Architekten Michael Sauter und Sven Becker. Ihr Plan: Die Boxen stehen mit einem Meter Abstand voneinander in einem großen Raum. Jeweils sechs Boxen bilden eine Wohngemeinschaft. In jeder WG gibt es ein bis zwei Duschen – ebenfalls als Box. Dazu kommen eine Küche und Toiletten. Für diese Räume sollen, falls möglich, bestehende Einrichtungen der Immobilie genutzt werden.

Sauter und Becker hoffen, mit ihrem Konzept zwei städtebauliche Probleme gleichzeitig zu lösen. „Auf der einen Seite lindern wir die Wohnungsnot von Studenten in Universitätsstädten, auf der anderen Seite tun wir etwas gegen den Leerstand“, sagt Michael Sauter. Die ersten Lofts sollen in Stuttgart entstehen – wenn es nach den beiden Architekten geht, schon bis zum Sommer. Das Projekt sei aber auch für andere Städte mit chronischer Wohnungsnot interessant.

Christoph Mäckler, Professor für Architektur und Städtebau an der Universität Dortmund, hält Students-Loft grundsätzlich für eine gute Idee. „Tatsächlich stehen inzwischen viele Gewerbeimmobilien leer – besonders Bürogebäude aus den 60er- und 70er-Jahren“, sagt Mäckler. Allerdings gebe es deutlich mehr leere Immobilien mit kleinen Büros, die man einfacher und billiger zu Studentenwohnungen umfunktionieren könnte.

Umbau und Renovierung der Büroräume sind durch das Box-System vergleichsweise günstig. Baurechtlich werden die Boxen als Wohnmöbel angesehen, daher seien die Brandschutzanforderungen gering, sagt Sauter. Für eine Box inklusive Möbel rechnen die Erfinder derzeit mit Kosten zwischen 7 500 und 10 000 Euro.

Die Bewohner einer Box müssen mit normalen Mietpreisen rechnen. Die Miete werde sich an den Zimmerpreisen von Studentenwohnheimen der gehobenen Preisklasse orientieren, so das Students-Loft-Team. Für Stuttgart sei ein Mietpreis von etwa 350 Euro pro Monat realistisch.

Im Vergleich zu anderen Wohnbox-Konzepten ist das relativ teuer. Im August 2005 stellten Studenten der Technischen Universität München ihr Projekt „micro-compact-home“ vor. Anders als das Students-Loft wird es im Freien aufgestellt und enthält neben Bett, Tisch und Schränken auch noch Kochstelle, Dusche und Toilette – und das auf knapp sieben Quadratmetern. Die Miete für die Münchner Box beträgt nur 150 Euro pro Monat. Zum Preisunterschied sagt Students-Loft-Architekt Sauter: „Durch das WG-Konzept und dadurch, dass die Boxen aufgeklappt werden können, bieten wir unseren Bewohnern mehr Platz, entsprechend mehr Miete können Betreiber nehmen.“ Auch über andere Nutzungsmodelle denkt das Team schon nach – zum Beispiel als Jugendhotel in europäischen Großstädten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%