Costa-Bergung
Ein Italien, das funktioniert

Das Unglückswrack „Costa Concordia“ schwimmt wieder aufrecht. Die Italiener jubeln und beglückwünschen sich zum erfolgreichen Ende der riskanten Bergung. Sie gilt ihnen als Symbol für ein Italien, das funktioniert.
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MailandUm vier Uhr Morgens ist es soweit: Das Ungetüm hat sich aus den Wogen erhoben und liegt wieder aufrecht im Wasser. Erhoben haben sich auch die Italiener, die dem Spektakel der Bergung der „Costa Concordia“ beiwohnen.  Die Sirenen tönen. Die Inselbewohner jubeln. Der Bürgermeister bricht in Tränen aus.

Den Leiter der Arbeiten, der Südafrikaner Nick Sloane empfängt die Menge in der Dunkelheit wie einen Rockstar. Noch am heutigen Dienstag wird der Ministerpräsident Enrico Letta persönlich eine Delegation der Ingenieure von der Insel Giglio empfangen.

Italien hat endlich wieder einen Grund zu jubeln. Vergessen sind für wenige Stunden die drohende Regierungskrise, die steigende Staatsverschuldung, die Millionen Arbeitslosen. Nach 19 Stunden harter Arbeit haben die 500 Beteiligten das 112.000 Tonnen schwere Wrack des Unglücksschiffs, das im Januar 2012 in der Toskana kenterte, geborgen.

Eine extrem schwierige Operation, für die es bisher keine Beispiele in der Schifffahrtsgeschichte gab. Alles musste eigens für die Concordia entworfen und umgesetzt werden. Um das Schiff zunächst aufzurichten, ohne dass es den Hang hinabgleitet haben die Verantwortlichen sechs Unterwasserplattformen auf rund 1800 Zementsäcken befestigt.

Insgesamt 30 eigens dafür konstruierte mehrere Stockwerke hohe Container-förmige Schwimmkörper gaben dem Schiff den nötigen Auftrieb, um sich aufzurichten und stabilisieren es nun im Wasser. Insgesamt sind für die Bergung 30.000 Tonnen Stahl verbaut worden. Das entspricht dem Vierfachen des Eiffelturms.

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Ein Italien, das funktioniert

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„Italien holt sich seine Ehre zurück“

Kommentare zu " Costa-Bergung: Ein Italien, das funktioniert"

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  • Ich bin der Meinung, daß diese Gewaltaktion so reibungslos gelungen ist, sollte alle Menschen freuen. Die Unterstützung von ausländischen Bergungsfirmen ist selbstverständlich bei einem derartigen bisher einmaligen Kraftakt. Freuen wir uns doch mit den Italienern, sie hatten in letzter Zeit wenig Grund dazu.
    Übrigens, liebes Handelsblatt, dieses Wrack ist kein Boot, sondern es war mal ein Schiff!

  • Und wieder sind wir am Stammtisch.
    Die Bergungsaktion ist eine Kooperation zwischen Micoperi (Italien) und Titan (USA).
    Und natürlich zahlt der Besitzer des Schiffs. Wer auch sonst? Und das ist nun mal die Carnival Corporation.

    Übrigens: Ein bedeutender Teil der Flotte des Unternehmens, wie auch die Costa Concordia, wurde vom italienischen Unternehmen Fincantieri gefertigt.

    Mir gefällt dieses Geprahle einiger italienischer Zeitungen auch nicht, aber dass die Italiener einen durchaus konkurrenzfähigen Industriesektor haben, muss man ihnen lassen.

  • " „Grad für Grad holt sich Italien seine Ehre zurück“, schreibt das der Berlusconi-Familie gehörende Blatt „Il Giornale“."
    ---
    32 Tote u.a. durch einen geltungssüchtigen, inkompetenten und feigen Kapitän...

    http://de.wikipedia.org/wiki/Costa_Concordia#Ermittlungen

    ...und Italien faselt von "Ehre".
    Mir als Nordländer dreht sich bei dieser Selbstbeweihräucherung...

    "„Dieser Beweis der technischen und organisatorischen Fähigkeiten, den wir der weltweiten Öffentlichen Meinung bieten, revidiert das Bild eines mittelmäßigen und schlampigen Italiens und erfüllt mich zutiefst mit Stolz“ kommentiert der Comandante Gregorio De Falco die Ereignisse."

    ...der Magen um! Hier wäre statt falschem Nationalpathos Demut und Schuldbewußtsein angesagt! Widerlich und ein Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen!

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