„Curiosity“-Daten
Auf dem Mars ist es über Null Grad warm

„Curiosity“ wird zur Wetterstation: Der Roboter hat die Temperatur auf der Marsoberfläche gemessen – das erste Mal seit 30 Jahren. Demnächst soll er auf Reisen gehen. Die Wissenschaftler haben schon ein Ziel ausgemacht.
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Los Angeles/WashingtonTemperaturen von mehr als Null Grad Celsius hat der Marsroboter „Curiosity“ (Neugier) auf dem Roten Planeten gemessen. Der Roboter habe in seiner direkten Nähe auf der Marsoberfläche im Gale-Krater am Donnerstag einen Höchstwert von „276 Kelvin“, das entspricht 2,85 Grad Celsius, gemessen, sagte einer der für die Mission zuständigen Wissenschaftler, John Grotzinger vom kalifornischen Institut für Technologie (Caltech) am Freitag. „Das ist ein sehr wichtiger Moment für die Wissenschaft, denn zuletzt hat es auf dem Mars vor genau 30 Jahren eine langfristige Wetterstation gegeben.“

„Curiosity“ war nach einer mehr als achtmonatigen Reise durchs All am 5. August erfolgreich auf dem Mars gelandet. Er sendete bereits spektakuläre Farbbilder, auf denen die Landschaft des Kraters Gale zu sehen ist, in dem sich der Roboter befindet. „Curiosity“ soll während seiner zweijährigen Mission Erkundungen am dort liegenden 5.000 Meter hohen Mount Sharp vornehmen.

Grotzinger stellte am Freitag vier neue Aufnahmen vor. Auf einem Foto waren deutlich die verschiedenen Gesteinsschichten der Hügel am Fuße des Mount Sharp zu erkennen. „Wahrscheinlich gibt es dort in allen Schichten hydrierte Mineralien“, sagte er. Die Forscher vermuten, dass es im Gale-Krater früher Wasser gab und dass die Gesteinsschichten Spuren von früherem Leben auf dem Mars enthalten könnten.

In ein paar Wochen soll der Marsroboter seinen Landeplatz verlassen und losrollen. In einigen Tagen werde die Fahrtüchtigkeit des Forschungsroboters erstmals getestet, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Freitag bei einer Pressekonferenz im kalifornischen Pasadena mit. Dazu werde der Rover die vier beweglichen seiner insgesamt sechs Räder erst einmal hin- und herwenden. Danach soll er ungefähr drei Meter vorfahren, sich um 90 Grad drehen, und dann zwei Meter zurücksetzen. „Es gibt viele erste Male für "Curiosity" in den nächsten Wochen, aber die ersten Bewegungen der Räder, das erste Mal, dass sich der Rover wirklich bewegt, wird etwas sehr Besonderes sein“, sagte Nasa-Manager Mike Watkins.

Die Wissenschaftler haben auch schon ein erstes Ziel ausgesucht: „Glenelg“ sei ein Punkt auf dem Mars, an dem drei verschiedene geologische Formationen zusammenstießen, so Grotzinger. Zum Beispiel seien dort übereinandergeschichtete Felsschichten zu finden. „Wir hatten viele starke Möglichkeiten zur Auswahl. Das ist ein Problem, von dem Planeten-Forscher träumen, aber man kann nur an einem Ort die erste Bohrung durchführen.“

Die Fahrt zu dem mehrere Kilometer von der Landestelle entfernten Ort werde wahrscheinlich vier bis sechs Wochen dauern. Auf dem Weg soll der Rover bereits loses Gestein vom Boden aufsammeln und analysieren. In Glenelg wird „Curiosity“ – so der Plan – dann erstmals seinen Bohrer einsetzen. Nach einem etwa einmonatigen Aufenthalt in Glenelg soll der Rover nach bisherigem Plan zu einem mehr als 5000 Meter hohen Berg weiterfahren. Dort könnte er etwa gegen Ende des Jahres ankommen.

Ende kommender Woche sollen die Überprüfungen aller wissenschaftlichen Instrumente an Bord des Rovers abgeschlossen sein. Dann würden erste wissenschaftliche Tests an der Landestelle durchgeführt, sagte Grotzinger.

Am Samstag sollte erstmals der Laser ausprobiert werden. Nach den Überprüfungen aller Instrumente werden erste wissenschaftliche Tests an der Landestelle vorgenommen, wie Grotzinger erläuterte.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @Kuno: indem wir verstehen lernen, wodurch der Mars lebensfeindlich wurde – immerhin gab's dort mal ausgedehnte Wasserflächen – ist für das Klima auf der Erde mehr getan als durch aufwändige Klimaschutz-Programme, die möglicherweise ins Leere laufen oder gar kontraproduktiv sind, weil wir die Mechanismen noch nicht wirklich verstanden haben.

    Wir haben nur diese eine Erde, also bitte: forschen, forschen, forschen.

  • Obwohl selbst in der Technik Zuhause, kann ich beim besten Willen den Sinn diese "Mission" nicht erkennen.
    Anstelle mit dem Geld und dem technischen Aufwand die Erde bewohnbar zu halten, wird lieber wieder einmal ein irrsinnig teurer Roboter auf diesen Sandkasten geschickt.
    Wenn ich nur daran Denke, wie viel Müll und sonstige Umweltverschmutzung auf der Erde dafür verursacht wird, damit mit noch viel mehr Müll und Umweltverschmutzung in einer fernen Zukunft evtl. einige wenige Personen die dann unbewohnbare Erde verlassen können.
    Während meiner Ausbildung meinte ein aus der Atomforschung ausgestiegener Dozent, es gäbe deshalb so viel Forschung in jenem Bereich, weil sonst viele der für viel Geld ausgebildeten Forscher sonst schlicht keine Arbeit (und die Chance auf einen Dr.-Titel) hätten.
    Hier sehe ich gewisse Parallelen....

  • "Wovon wollen Terraformer eigentlich weg?
    Oder wohin?
    Mit welchen Erwartungen?
    Und warum?
    Neugierde?
    Worauf?"

    Sie wollen nicht weg,
    sondern "nur" neuen Lebensraum erschließen.

    Doch wie das erstmal von statten gehen soll mit einer eigenen Atmosphäre auf dem Mars, die auch den Sauerstoff hält und nicht gleich abgibt, wie der Sauerstoff freigesetzt werden soll etc. blabla. sind alles Fragen die wir mit unserer momentanen Technik eh nicht erreichen können.

    Aber stellen wir uns mal vor es würde gelingen eine Atmosphäre auf dem Mars zu erzeugen die für uns atembar ist. Stellen wir uns weiter vor wir hätten hier auf der Erde das Erbgut diverser ausgestorbener Spezies und könnten diese damit "reproduzieren".
    Wir könnten, theoretisch und natürlich rein fiktiv momentan, ein neues Ökosystem erstellen und die Komplexität erforschen sowie beliebig daran rumbasteln, ohne unser eigenes Ökosystem und unseren eigenen Lebensraum zu gefährden.
    Durch besseres Verständnis der Komplexität solch eines Ökosystems, könnte man auf UNSEREM Planeten gezielt Arten erschaffen/verändern/neu wiederbeleben um Artensterben etc. vorzubeugen oder aber die Artenvielfalt einfach gefahrlos zu erhöhen.

    Aber dies setzt alles enorme Fortschritte in Gentechnik und Biologie voraus, sowie eben die Möglichkeit auf einem anderen Planeten sowas zu schaffen...
    Raumfahrt und Terraforming sind halt nichts
    was wir eben in 50 Jahren bewerkstelligen können :D
    Enorm langfristiges denken ist gefragt.

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