Dämmstoffe
Die Thermohaut fürs Haus

Der Energieausweis ist beschlossene Sache und wird dazu führen, dass Immobilienkäufer und Mieter kritisch nach der Sparsamkeit von Wohnungen und Häusern fragen. Den Baustoffherstellern winkt daher in den nächsten Jahren ein gutes Geschäft.

BERLIN. Für Hausbesitzer bietet die Verpflichtung, den Energieverbrauch von Gebäuden künftig auszuweisen, einen Anreiz ihre Immobilie energetisch auf dem neuesten Stand der Bau- und Haustechnik zu halten. Denn: „Ein sparsames und fachgerecht saniertes Gebäude wird künftig klare Wettbewerbsvorteile gegenüber einem mit hohem Energieverbrauch haben“, sagt Dirk Mobers, Leiter der Abteilung energieeffizientes Bauen bei der EnergieAgentur NRW.

Den Baustoffherstellern winkt daher in den nächsten Jahren ein gutes Geschäft. „Dafür sorgt vor allem der große Bestand älterer Bauten, bei denen sich durch Isolierung der Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent senken ließe“, sagt Jochen Manara vom Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE). Neben bereits bewährten Dämmstoffen wie Mineralwolle und Styropor haben die Firmen neuartige Materialien entwickelt, mit denen eine nachträgliche Wärmeisolierung vereinfacht wird.

Inzwischen gibt es für alle Gebäude das passende Dämmmaterial, auch für Fachwerkhäuser. An einem solchen Gebäude, das für seine Balkenkonstruktion berühmt ist, lassen sich schlecht 20 Zentimeter dicke Styroporplatten anbringen. Daher haben Forscher des ZAE zusammen mit Ingenieuren in der Industrie eine Alternative entwickelt: die Vakuum-Isolations-Paneele (VIP). „Ihr Aufbau erinnert an eine Kaffeepackung. Statt Kaffee wird Glaspulver mit einer gas- und wasserdampfdichten Alufolie umhüllt und ein Vakuum gezogen“, erklärt Manara. Die gasdichte Hülle verhindert, dass über Luft Kälte oder Wärme ausgetauscht wird, sprich: Die Paneele verfügen über eine geringe Wärmeleitfähigkeit.

„Die neuartigen Paneele sind bei innovativen energiesparenden Baustoffen ein großes Thema, zumal sie nur vier Zentimeter dick sind“, sagt Energie-Agentur-Experte Mobers. Damit seien sie besonders für die Altbausanierung geeignet – was auch zunächst ihre Marktnische sein wird. Denn das Material ist mit bis zu 100 Euro pro Quadratmeter sehr teuer. Zudem ist es für Neubauten nur bedingt tauglich, weil mit ihm sehr sorgfältig umgegangen werden muss – kleinste Risse zerstören das Vakuum, was den Effekt zunichte macht. „Das dünne Isolationsmaterial wird sich daher zunächst nur da durchsetzen, wo eine geringe Aufbauhöhe gefragt ist“, sagt der Fachmann.

Eine gute Wärmeisolierung ist aber nicht nur im Winter wichtig, sondern auch im Sommer, damit die Räume nicht zu warm werden. BASF hat ein Material auf den Markt gebracht, das für einen guten Wärmeausgleich sorgt, so genannte mikroverkapselte Latentwärmespeicher. Dabei werden mikroskopisch kleine Kunststoffkapseln mit einem Kern aus wärmespeicherndem Wachs in eine Gipskartonplatte eingebracht. „Steigt die Raumtemperatur über die bei der Herstellung festgelegte Temperatur von 23 oder 26 Grad Celsius an, verflüssigt sich das Wachs und absorbiert die überschüssige Raumwärme“, erklärt Produktmanager Mike Zott. Fällt die Temperatur hingegen, verfestigt sich das Wachs, und die Kapseln geben ihre Wärme wieder an den Raum ab.

Das Prinzip ist vom Eiswürfel bekannt, der aus einem Getränk Wärme aufnimmt, dabei schmilzt und beim Erstarren im Kühlschrank wieder Wärme abgibt. Während er seinen Aggregatzustand ändert, bleibt seine Temperatur mit 0 Grad Celsius konstant. Durch das Schmelzen und Erstarren der Wachskügelchen werden Temperaturspitzen abgefangen. Daher spricht man auch von einem Phase Change Material. „Bei idealer Planung bleibt die Raumtemperatur auch ohne Klimaanlage konstant“, sagt Zott. So rechne sich auch der Mehrpreis für die 15 Millimeter dünnen Platten, die etwa zehnmal so teuer wie üblicher Gipskarton sind

.

Aber auch Wandputz oder Betonwände können so modifiziert werden. Zott sieht da ein „riesiges Marktpotenzial“, das bisher noch nicht ausgeschöpft worden ist, „zumal Handwerker gern auf Hergebrachtes zurückgreifen“, so Zott. Der Chemiekonzern hat das Material in einem Offenburger Bürohaus in der Praxis erprobt und nennt eine jährliche Kostenersparnis von 25 000 Euro und einen um 100 Tonnen verminderten CO2-Ausstoß.

Auch Anbieter von Fertighäusern stehen durch die Einführung des Energiepasses unter Druck, sich verstärkt um die Wärmeisolierung zu kümmern. So hat die Firma WeberHaus eine neue Außenwand entwickelt, die durch einen speziellen Aufbau nur wenig Wärme nach außen dringen lässt. Kern der Dämmung ist Holz. Genauer: eine zehn Zentimeter dicke Holzfaserdämmplatte, die aus Nadelholz-Hackschnitzeln hergestellt wird. „Diese wirkt schützend wie die Rinde eines Baums“, sagt ein Firmensprecher. Mit dem Material erzielt der Fertighausbauer nach eigenen Angaben einen Dämmwert, der um 65 Prozent besser als die Mindestanforderungen der Energieeinsparverordnung ist.

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