Darwin-Jahr
Ökonomischer Darwinismus

Darwins Evolutionstheorie hat auch Auswirkungen in der Ökonomie, schreibt László Mérö. Ein spannender Beitrag zum Darwin-Jubiläum
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Darwin überall: Auch die Entwicklung von Unternehmen lässt sich als Evolution beschreiben. László Mérö tut genau das, und er macht es sehr interessant, wenn auch vielleicht hin und wieder mit zu hohem intellektuellem Aufwand. Parallel zum "egoistischen Gen" (nach Richard Dawkins) konstruiert er das "Mon". Es leitet sich nicht zufällig von "Money" ab und weist gewisse Parallelen zu den "Memen" auf, die eine Art von kulturellen Genen darstellen.

Die "Mone" sind, grob gesagt, unternehmerische Ideen, die Geld anziehen. Ähnlich wie Gene sich als "Überlebensmaschine" einen Organismus (zum Beispiel einen Menschen) schaffen, erzeugen "Mone" Unternehmen und pflanzen sich so auch fort - mehr oder minder erfolgreich im Wettbewerb mit anderen. So ist das Buch ein Beispiel dafür, dass die Biologie der Physik den Rang als modellerzeugende Leitwissenschaft abzulaufen droht.

Der Autor verbindet seinen ökonomischen Darwinismus mit einer Analyse der Rückkopplungseffekte in der Wirtschaft. Dabei greift er auf Gedanken des Mathematikers Kurt Gödel zurück (und den Bestseller "Gödel, Escher, Bach" von Douglas R. Hofstadter). Ob diese zusätzliche Verkomplizierung unbedingt notwendig war, sei dahingestellt. In jedem Fall liefert das Buch, auch wenn man nicht jeder einzelnen These folgen mag, eine Menge origineller Denkanstöße und viel gut formuliertes Hintergrundwissen.

Dazu kommt, dass der Autor immer wieder recht witzige Gedanken liefert, die auch einzeln als Aphorismen stehen könnten. Zum Beispiel: "Ein System, das keinen Fehler macht, kann nicht lebendig sein." Oder der Satz: "Wir schaffen es nur selten, uns Gedanken anzueignen, nicht einmal eigene."Lesenswert!

LÁSZLÓ MÉRÖ: Die Biologie des Geldes Rowohlt, Hamburg 2009, 346 Seiten, 9,95 Euro

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