Das Büro für Technikfolgenabschätzung informiert das Parlament
Wundermittel und ihre Folgen

Gentechnik, Biometrie oder Nanotechnik - alle Technologien wirken sich auf die Gesellschaft aus. Das Büro für Technikfolgenabschätzung in Berlin erstellt Studien für das Parlament und zeigt Handlungsoptionen auf. Doch manche Studienergebnisse werden ignoriert.

BERLIN. Es war schon eine kleine Sensation bei den Olympischen Spielen in Peking, als Usain Bolt den 100-Meter-Sprint der Männer mit neuem Weltrekord lief. Hatten doch Sportmediziner im Vorfeld der Wettkämpfe in Peking die Erwartungen gedrückt und orakelt, dass beim Sprint und beim Marathon längst das Maximum erreicht sei. Und dann das. Der jamaikanische Sprinter trabte mit fast spielerischer Leichtigkeit durchs Ziel - und suggerierte: Es geht noch mehr. Während sich seine Konkurrenten, die er mit deutlichem Abstand geschlagen hatten, sichtlich abmühten.

Kein Wunder, dass für viele sofort klar war: Der ist gedopt. Nachweisen kann man Bolt die Manipulation des Körpers nicht, doch der Verdacht bleibt. Für die Doping-Fahnder ist es ein großes Problem, dass Hochleistungssportler, um letzte Reserven rauszukitzeln, auch zu Methoden greifen, von denen nicht bekannt ist, welche Auswirkungen sie auf die Gesundheit des Körpers haben. Hauptsache, sie können nicht nachgewiesen werden.

Längst wird auch über erste Fälle von Gendoping spekuliert. Dabei geht es um Methoden, die eigentlich für die Behandlung schwerer, bislang unheilbarer Erkrankungen entwickelt werden wie Parkinson, Muskelschwund, Krebs oder Diabetes. Die Hoffnung der Athleten: Veränderte Erbinformationen bringen den Körper dazu, mehr Muskelmasse oder schnellere Muskelfasern zu bilden, beziehungsweise Hormone zu produzieren, mit deren Hilfe sie im Wettkampf dann die entscheidende Leistungssteigerung mobilisieren können.

Nicht erst nach den Berichten über Auffrischungen des Erbguts in chinesischen Kliniken, die wenige Wochen vor den Spielen durch die Medien gingen, sind sich Fachleute sicher: "Gendoping findet bereits heute statt." Zu dem Schluss kommt auch eine vom Bundestag in Auftrag gegebene Studie beim Büro für Technikfolgen-Abschätzung (TAB) in Berlin: Angesichts der Entwicklungen in den biotechnologischen und pharmazeutischen Labors müsse davon ausgegangen werden, dass derartige Methoden bereits heute von Sportlern und deren betreuenden Medizinern genutzt werden.

Die Experten, die an der Studie beteiligt waren, haben zwar keine konkreten Hinweise gefunden, dass die Gentechnik in absehbarer Zeit zum Heranzüchten von Superathleten missbraucht werden könnte. Allerdings seien gen- und zelltherapeutische Verfahren bereits heute in der Lage, selektive Leistungssteigerungen hervorzurufen, formuliert Thomas Petermann, Leiter des TAB in Berlin, als Kernaussage des Berichts.

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