Das menschliche Auge
Besser sehen

Wieder perfekt sehen. Das wünschen sich viele Deutsche. Knapp jeder zweite braucht eine Brille - und es werden immer mehr. Mit modernen Techniken lassen sich heute selbst stärkste Sehfehler beheben. Neue Gläser, Kontaktlinsen und Laserchirurgie verhelfen wieder zu einer perfekten Sicht.
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Nico Martin hat diesem Dienstag entgegengefiebert. Heute sollen seine stark kurzsichtigen Augen gelasert werden. Seit seinem sechsten Lebensjahr braucht der 25-jährige Kölner eine Brille. Fast jedes Jahr sind seine Augen schlechter geworden. Bis heute haben sich auf dem linken Auge minus sechs und auf dem rechten mehr als minus sieben Dioptrien angesammelt. Nach dem Eingriff, so die Hoffnung des Hotelfachmanns, werde er wieder scharf sehen.

Zehn Jahren trug der begeisterte Schwimmer, Tennis- und Fußballspieler Kontaktlinsen. Sie waren besser als eine Brille, aber alles andere als perfekt. "Mal rutschte ein Fremdkörper unter die Linsen, mal habe ich sie nicht vertragen." Mehr als einmal kroch Martin mit Mitspielern auf dem Rasen herum, um eine herausgefallene Linse aufzustöbern. "Es war einfach nur noch nervig."

Damit soll jetzt Schluss sein. Martin liegt in Straßenkleidung auf dem Behandlungsstuhl im Kölner Augenzentrum Maus + Heiser. Gleich wird es losgehen. Ein bisschen bange ist ihm zumute, aber er hatte sich seine Entscheidung reiflich überlegt. Matthias Maus gehört mit mehr als 15 000 Operationen zu den versiertesten Augenlaser-Spezialisten in Deutschland. Der Arzt hat Martins Augen gründlich vermessen und untersucht.

Die OP beginnt. Die Schwester träufelt Martin ein Betäubungsmittel in die Augen. Es verhindert, dass das Auge auf Schmerz an der empfindlichen Hornhaut mit einem Lidschlag reagiert. Maus setzt am ersten Auge eine Lidsperre ein. Ein feines Messer fährt heran und schneidet einen hauchdünnen Lappen von der Hornhaut. Routiniert klappt Maus ihn zur Seite. Jetzt kommt der computergesteuerte Laser zum Einsatz. Martin muss einen grünen Punkt fixieren, während der Laser mit kaum hörbarem Knistern die Sehschärfe korrigiert. Maus überwacht die Operation durch ein Mikroskop. Nach wenigen Sekunden ist der Eingriff erledigt. Der Arzt klappt den Lappen zurück, bestreicht ihn mit einem Antibiotikum, dann ist das nächste Auge dran.

"Während des Eingriffs war ich ganz schön nervös", erzählt Martin später. Die Nachuntersuchung zeigt: Es ist alles in Ordnung. Der erste Seheindruck stimmt Martin zufrieden. Wegen des Antibiotikums sieht er zwar noch ein wenig wie durch einen Schleier. "Aber alles schon ziemlich scharf, es ist unglaublich." Martin darf nach Hause gehen. Drei Stunden schmerzt die operierte Hornhaut noch etwas, dann fühlt sich das Auge wieder normal an. Martin ist begeistert: "So eine scharfe Sicht habe ich noch nie in meinem Leben gehabt."

Wieder perfekt sehen. Das wünschen sich viele Deutsche. Rund 41 Millionen tragen eine Brille, mithin jeder zweite Bundesbürger. Und spätestens wenn vom 40. Lebensjahr an die Alterssichtigkeit einsetzt, geht es irgendwann auch beim Rest nur noch selten ohne Lesebrille. Es ist absehbar, dass künftig noch mehr Menschen mit schlechten Augen zu kämpfen haben. Vor allem die Kurzsichtigkeit (Myopie) nimmt nach internationalen Studien in nahezu allen Industrieländern zum Teil drastisch zu, ganz besonders unter Jugendlichen. In Hongkong und Singapur etwa tragen schon neun von zehn Studenten ein Brille oder Kontaktlinsen.

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