Das Montageverfahren ist aus dem Brückenbau bekannt
Parkhaus schiebt sich über die A8

13 500 Tonnen Stahl, 125 000 Quadratmeter Fläche, Platz für 4000 Autos. Darunter rauschen jeden Tag 120 000 Fahrzeuge vorbei. So könnte man das Parkhaus umschreiben, das derzeit über der A 8 an der neuen Messe Stuttgart entsteht. In dieser Woche wird ein Teil des Parkhauses freischwebend über der Autobahn in eine neue Position gebracht, gehalten nur von seinem eigenen Gewicht.

DÜSSELDORF. „Ein Parkhaus in dieser Dimension wurde noch nie über eine Straße gebaut“, ist sich Architekt Tobias Wulf sicher. Die Fachwerk-Konstruktion verschlingt doppelt so viel Stahl wie der Eiffelturm. Von oben betrachtet wird es ein bisschen aussehen wie zwei Finger, die sich zu einem Victory-Zeichen spreizen und sich quer über die Autobahn Stuttgart-München strecken. Zur Zeit ist das Parkhaus aber noch Teil von Deutschlands größter Baustelle, der neuen Messe Stuttgart, die in der Nähe des Flughafens gebaut wird.

Die rund 400 Meter langen Finger werden unterteilt in jeweils fünf Abschnitte. Die mittleren drei montieren die Bauarbeiter auf der gegenüberliegenden Seite des Flughafens vor und richteten sie auf. Schwerlastkräne heben dann die über eintausend Tonnen schweren Abschnitte auf Verschubwippen, von denen aus das Parkhaus in rund zehn Meter Höhe im so genannten Taktschiebeverfahren über die Autobahn geschoben wird.

Roland Friede, Statiker der Firma Donges erklärt: „Das Montageverfahren ist aus dem Brückenbau bekannt, wurde aber noch nie für ein Bauwerk dieser Größe angewendet.“ Neben der Größe mussten die Ingenieure noch zwei weitere Aspekte beachten: „Wir verschieben Fachwerk, statt Stahlbögen, wie es bei Brücken üblich ist. Und es passiert nicht ebenerdig, sondern in zehn Metern Höhe.“

Die Firma Donges aus Darmstadt ist für den Stahlbau zuständig. Sie ist auch beteiligt am Bau des Lehrter Bahnhofs in Berlin. Im Juni und August wurden die ersten Abschnitte der beiden Finger verschoben. In dieser Woche haben die Ingenieure die nächste große Aktion vor. Sie montieren den zweiten Abschnitt des südlichen Fingers und verschieben die Konstruktion anschließend über die Autobahn – und zwar freischwebend, bei fließendem Verkehr. „Die Aktion ist vergleichbar mit einem Bauklötzchen, das man über die Tischkante schiebt. Solange auf dem Tisch noch genug Gegengewicht vorhanden ist, fällt es nicht runter“, erklärt Christian Witt, Sprecher der Projektgesellschaft Neue Messe.

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