Deep Impact
Neue Erkenntnisse aus einem uralten Kometenkern

Der inszenierte Einschlag auf den Kometen Tempel 1 hat eine riesige Wolke aus Staub und Gas ins Weltall geschleudert.

HB PASADENA/MÜNCHEN. Der Aufprall in 133 Millionen Kilometern Entfernung weise darauf, dass über dem Kern des Kometen eine weiche Materialschicht liege, sagte Pete Schultz am Montag am Jet Propulsion Laboratory der US-Weltraumbehörde NASA in Pasadena (Kalifornien).

Astronomen wollen aus den Daten des Experiments in den kommenden Monaten Erkenntnisse zur Entstehung unseres Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren gewinnen. Viele Astronomen nehmen an, dass Kometen vor Milliarden von Jahren Wasser und organische Stoffe und damit Grundbausteine des Lebens auf die Erde gebracht haben.

Die Riesenteleskope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile machten fantastische Bilder des „Deep Impact“-Projektes. Die Wolke habe sich halbmondförmig ausgebreitet und am frühen Dienstagmorgen einen Durchmesser von 20 000 Kilometern erreicht, sagte ESO- Astronomin Monika Petr-Gotzens. Das Material sei mit einer Ausbreitungsgeschwindigkeit von 500 Kilometer pro Stunde weggeflogen.

Im Auswurf des Kometen seien Cyanid und weitere noch nicht genau analysierte Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen entdeckt worden, erläuterte Petr-Gotzens mit Verweis auf bereits ausgewertete Strahlenspektren. Solche Stoffe und Wasser seien auch in der gewöhnlichen Gashülle (Corona) vorhanden, die einen Kometenkern umgibt. Der Einschlag des Projektils habe jedoch die Aktivität auf dem Kometen deutlich erhöht. „Das Material an dieser Stelle schlummerte unter der Oberfläche und findet nun seinen Weg nach außen.“

Auch das Weltraumteleskop Hubble lieferte zahlreiche Daten der Himmelskollision. „Die Wolke besteht aus einer Mischung von Wassereis und Kohlendioxideis sowie aus Substanzen, die wir noch nicht identifizieren konnten“, sagte Rudolf Albrecht von der Europäischen Koordinationsstelle des Hubble-Weltraumteleskops in München am späten Montagabend. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA ist zu 15 Prozent am NASA-Hubble-Teleskop beteiligt. Die noch nicht identifizierten Stoffe seien neuartig für Kometen und bislang auch nicht in ihren Gashüllen entdeckt worden, sagte Albrecht. „Das ist Material, das seit Milliarden von Jahren sozusagen im Tiefkühlfach lag.“

Das Projektil der NASA-Sonde „Deep Impact“ war am Montagmorgen mit einer Geschwindigkeit von rund 37 000 Kilometern pro Stunde planmäßig in den Kometen eingeschlagen. Es sei vermutlich nicht sehr tief in den Kometen Tempel 1 eingedrungen, meinte Albrecht. Den Schluss zieht er aus der Form der Wolke: Ihre Ausdehnung sei nicht kegelförmig gewesen, wie zunächst erwartet, sondern habe die Form einer Halbkugel gehabt. Der Aufschlag habe einer Energie von 4,5 Tonnen TNT entsprochen.

Internet-Links:
Hubble:» www.spacetelescope.org
Nasa:» http://deepimpact.jpl.nasa.gov
ESO: »http://deepimpact.eso.org

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